Die beiden Berner Rergierungsrätinnen Barbara Egger-Jenzer (SP) und Beatrice Simon (BDP) verdienen nebest ihrem offiziellen Lohn von 275000 Franken in den letzten Jahren dank Sitzungsgelder bei BKW, BLS und Rheinsalinen nochmals mehrere 10000 Franken dazu.

Transparenz herstellen wollten die beiden von sich aus nicht. Am Sonntag haben die beiden nun eingelenkt, zumindest ein bisschen. Beide erklärten via Mitteilungen, dass sie ab sofort auf die Sitzungsgelder verzichten und diese der Staatskasse abliefern. Grund: Ein Bericht in der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

«Stets an Regeln gehalten»

Beide Regierungsrätinnen betonten am Sonntag, sie hätten sich stets an die geltenden Regeln gehalten. BDP-Regierungsrätin Simon wie ihre SP-Regierungskollegin Egger zeigten sich offen, dass das System der Nebeneinkünfte politisch diskutiert und die Regelungen gegebenenfalls angepasst würde

Damit ist die Sache wohl für die beiden noch nicht ganz ausgestanden. Der Berner Regierungsrat hat das heikle Thema der üppigen Sitzungsgelder am kommenden Mittwoch nämlich traktandiert. Wenn auch nicht auf der offiziellen Traktandenliste, wie die Zeitung «Schweiz am Sonntag» schreibt.

Regierungsnahe Kreise sprechen gegenüber der Zeitung von «offenem Streit» im Gremium: Regierungsräte, die keine oder wenige Nebeneinkünfte haben, verlangen Transparenz. Namentlich Regierungsrätin Egger-Jenzer habe sich dagegen gesträubt.

2000 Franken pro Sitzung

Mit gutem Grund: Demnach kassieren Egger-Jenzer und Simon pro Verwaltungsratssitzung allein bei der Bernischen Kraftwerke AG (BKW) 2000 Franken. Was sich bei Simon auf 25'000 Franken pro Jahr zusammenläppert, stieg bei Egger im Jahr 2012 wegen Sitzungen von Sonderausschüssen unter anderem zum Thema Atomausstieg auf 90'000 Franken, wovon die Hälfte auf ihr Konto geflossen ist. 2011 kam Egger noch auf 39'000 Franken.

Insider reden gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag» von «einigen Bomben», die im Berner Regierungs- und Verwaltungsapparat ticken würden. Die Rede ist von Honoraren über 40'000 Franken bei einem Verwaltungsangestellten und von Gratisparkplätzen für Verwaltungsräte der Berner Parking AG.

Wanner als Auslöser

Nach Recherchen der «Schweiz am Sonntag» kam es im Berner Regierungsrat bereits im Sommer 2013 zu einer Aussprache über die hohen Sitzungsgelder von Egger-Jenzer und Simon, als aufflog, dass der Solothurner Regierungsrat Christian Wanner (FDP) als Alpiq-Verwaltungsrat 100'000 Franken kassierte.

Bereits damals verlangten Regierungsräte Transparenz. Den Hinweis eines Kollegen, in 20 Schweizer Kantonsregierungen würden die Regierungsräte weniger verdienen als im Kanton Bern, soll SP-Regierungsrätin Egger-Jenzer mit dem Satz quittiert haben: «Aber in fünf Kantonen ist es mehr».