Ausverkauf

Jetzt verkauft die Armee auch ausgediente Panzersperren

Eine Panzersperre in Einsiedeln, wie sie die Armee jetzt feilbietet.

Eine Panzersperre in Einsiedeln, wie sie die Armee jetzt feilbietet.

Armeematerial Vom Zweiten Weltkrieg bis in die 90er-Jahre errichtete die Armee im ganzen Land Panzersperren. Die meisten dieser Geländehindernisse sind heute militärisch nutzlos. Wer will, kann sie dem Verteidigungsdepartement abkaufen.

Vom alten Pinzgauer über die Zeltblache bis zu Taschenlampen: Es gibt fast nichts, das die Schweizer Armee aus ihren üppigen Materialbeständen nicht feilbietet. Neuerdings kommen auch immer mehr Immobilien auf den Markt. Bunker, Festungsanlagen und Panzersperren. Rund 14 000 solcher Anlagen sind laut Ueli Maurers Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) noch im Besitze der Armee. 8000 davon werden militärisch nicht mehr benötigt und stehen zum Verkauf. Das VBS rechnet mit jährlichen Einnahmen zwischen 20 und 30 Millionen Franken.

Noch 300 Geländehindernisse

Dass Bunker oder Festungsanlagen zivil genutzt werden können, liegt einigermassen auf der Hand. Doch offenbar finden selbst Panzersperren ihre Käufer. Erst gerade hat die Zürcher Gemeinde Turbenthal dem Bund eine Anlage abgekauft, wie Gemeindepräsident Georg Brunner der «Ostschweiz am Sonntag» erklärte.

In der Schweiz gibt es aktuell zwischen 250 und 300 Panzersperren. Nur noch wenige werden militärisch genutzt. Laut Armasuisse, dem Kompetenzzentrum des Bundes für die Beschaffung von technologisch komplexen Systemen und Materialien, gibt es drei Gruppen von Käufern: Für Landwirte seien die Geländehindernisse vor allem im Zusammenhang mit dem dazugehörenden Wiesland interessant. Naturschutzgruppen würden Panzersperren als Brut- und Nistplätze für Vögel und Amphibien erwerben. Militärhistorische Vereine oder Gemeinden schliesslich zeigten Interesse, um Zeitzeugen zu bewahren. «Aktiv suchen wir aber keine Käufer», sagt Kaj-Gunnar Sievert von Armasuisse. Da sich die meisten Geländepanzerhindernisse in der Landwirtschaftszone befinden, entspricht der Preis in der Regel dem Wert von Landwirtschaftsland.

Der Schweiz fehlten die Panzer

Für die vielen militärischen Geländehindernisse gibt es laut Militärhistorikern zwei Gründe: Erstens war die Schweiz in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Nazi-Deutschland schlecht gerüstet. Insbesondere fehlte schweres Kriegsmaterial wie Panzer. Weil auf dem Rüstungsmarkt unmittelbar vor dem Krieg kaum mehr Panzer zu kaufen waren, liess der Bundesrat an vielen strategisch wichtigen Punkten Geländehindernisse bauen. Dieses personalintensive Bauprogramm war für die Landesregierung – zweitens – eine ideale Massnahme, um die um sich greifende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Doch die Armee liess auch noch nach dem Krieg zahlreiche Festungen, Bunker und Panzersperren errichten. Um im Kalten Krieg den neuen Feind aus dem kommunistischen Osten abzuschrecken, wurden auch zahlreiche Brücken, Strassen und Tunnels mit Sprengstoff versehen. In den 90er-Jahren, spätestens aber mit der Armee XXI, verloren die meisten Anlagen ihren militärischen Wert.

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