Militär
Jetzt sind auch Aarauer Rekruten vernetzt

Es ist nicht so, dass die Schweizer Armee erst jetzt im Computerzeitalter angekommen wäre. Neu ist, dass sie für die theoretische Grundausbildung der Rekruten konsequent auf E-Learning setzt.

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Peter Stutz

Peter Stutz

Aargauer Zeitung

Urs Moser

Als dritter Waffenplatz nach Sion und Liestal ist die Kaserne Aarau nun für die Rekrutenausbildung am Computer gerüstet. 30 Millionen investiert die Armee bis 2012 in ihr System E-Learning. Gestern wurde in Aarau der Infanterie-Durchdienerschule und dem Kompetenzzentrum Militärmusik die nötige Infrastruktur übergeben. Divisionär Peter Stutz, Chef Führungsstab der Armee, überzeugte sich persönlich vor Ort vom Funktionieren der Einrichtung und unterstrich damit die Bedeutung, die man dem Projekt beimisst.

400 000 Franken hat die Einrichtung der Kaserne Aarau mit Internetzugang in Theorieräumen, 195 Notebooks, 19 funkbasierten Web-Zugangsknoten und einem Zentraldrucksystem gekostet. Nicht dass die Armee Millionen dafür ausgeben würde, nur um den Rekruten Computer zur Verfügung stellen. Entscheidend ist der Zugang mit einem persönlichen Passwort zum Learning Management System LMS des Militärs. Die theoretische Grundausbildung erfolgt nicht mehr im dozierenden Frontalunterricht, sondern eben am Bildschirm. All die Reglemente und Weisungen sind elektronisch erfasst, der Ausbildungsstoff zum AC-Schutz oder zur Ersten Hilfe wird anschaulich dargestellt. In den verschiedenen Fachausbildungen kann sich zum Beispiel ein Motorfahrzeugführer auch über technische Besonderheiten informieren, die über die Grundanforderungen hinausgehen.

E-Learning soll einerseits den Soldaten ein individuelles Lernen ermöglichen und anderseits den knapp dotierten Ausbildnern zur effizienteren Kontrolle der Lernfortschritte dienen und sie entlasten. Sie sollen mehr Zeit in die Ausbildung investieren können, die wirklich zwingend persönlich vermittelt werden muss. Im vergangenen Jahr wurden bereits 20 Prozent der Modulabschlussprüfungen der Führungsausbildung des unteren Kaders über E-Learning durchgeführt und auomatisch ausgewertet. Dadurch hat sich der Korrekturaufwand um 1800 Mannstunden reduziert. Das schafft Kapazitäten fürs Wesentliche, denn: «Einsatzübungen und praktische, drillmässige Ausbildung an Waffen und Geräten bleiben zentral», wie Thomas Kaiser, Chef Ausbildung im Führungsstab der Armee, gestern in Aarau betonte.

Vorerst konzentriert sich E-Learning hauptsächlich auf die Grundausbildung in den Rekrutenschulen. Das System soll in späteren Schritten aber ausgebaut und zum Beispiel auch höheren Kadern für die ausserdienstliche Vorbereitung dienen. Einen Einblick in das System kann sich jedermann verschaffen: www.lmsvbs.ch. Sensible Daten seien selbstverständlich nicht im LMS zu finden, so Führungsstabs-Chef Peter Stutz.

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