Nach Razzia

Jetzt schaltet sich der IZRS in die Diskussion um die Winterthurer An’Nur-Moschee ein

Qaasim Illi: "Rote Karte" für die An'Nur-Moschee.

Qaasim Illi: "Rote Karte" für die An'Nur-Moschee.

Auch der konservative, radikale Islamische Zentralrat der Schweiz sagt: Ein Mordaufruf in einer Moschee – das geht nicht. Und doch will er im Winterthurer Fall erst Beweise sehen.

In der Winterthurer An’Nur-Moschee fand am Mittwoch eine vielbeachtete Razzia statt. Der Vorwurf der Zürcher Justiz: Ein äthiopischer Imam habe zum Mord an Muslimen aufgerufen, die sich nicht an die Gebetszeiten hielten oder den Gebeten fernblieben.

Der Mordaufruf hat unter den muslimischen Dachorganisationen in der Schweiz zu heftigen Reaktionen geführt. "In unserer Gesellschaft hat es keinen Platz für Imame, die zu Mord aufrufen", sagte beispielsweise Mustafa Memeti, Imam und Leiter des Muslimischen Vereins in Bern.

Muris Begovic, Vorstandsmitglied der Vereinigung Islamischer Organisationen Zürich, erklärte: "Sollten die Vorwürfe stimmen, werden wir die Moschee ausschliessen."

Am Donnerstag meldet sich nun auch der Islamische Zentralrat der Schweiz. Der IZRS gilt als Organisation mit ultrakonservativen und teils radikalen Ansichten, der auch den islamischen Organisationen in der Schweiz suspekt ist.

"Rote Karte"

IZRS-Sprecher Abdel Azziz Qaasim Illi schreibt auf Facebook: "Sollte aber entgegen aller Erwartungen in der Moschee zu Mord und IS-Sympathie aufgerufen werden, verdiente sie eine klare rote Karte."

Illi kritisiert die Moscheeverantwortlichen von An'Nur: "Selbst unter Muslimen besteht wegen der mangelnden Kommunikation ein gewisses Unbehagen."

"Der Ball liegt nun im Spielfeld der Moschee-Verantwortlichen, sich endlich einmal klar und deutlich zu äussern und dafür zu sorgen, dass den etwaigen IS-Sympathisanten keine Plattform (mehr) geboten wird", so Illi.

"Islam-Kritik" bedienen

Der IZRS wäre aber nicht der IZRS, wenn er nicht auch noch Zweifel äussern würde. Zweifel an der Richtigkeit des Vorwurfs. Illi: "Die aktuellen Ereignisse in der Nûr-Moschee sind beispiellos für den Schweizer Kontext. Beispiellos sind die Vorwürfe, die Hausdurchsuchungen und die nun eröffneten Strafverfahren. Aus Erfahrung wissen die meisten Muslime, dass Vorwürfe schnell erhoben sind, oftmals mehr ein gesellschaftliches Verlangen nach "Islam-Kritik" bedienen, als Fakten zu liefern."

Polizeieinsatz bei An'Nur-Moschee: Das sagt die Staatsanwaltschaft

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Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland führt ein Strafverfahren gegen vier verdächtige Personen aus dem Umfeld der Winterthurer An'Nur-Moschee. Ihnen wird vorgeworfen, öffentlich zu Verbrechen und Gewalt aufgefordert zu haben. Die Moschee wurde am Mittwochmorgen durchsucht. Corinne Bouvard, Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, zu den Einzelheiten.

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