Formel E
Jetzt rasen sie wieder: Die Geschichte der ehemaligen Grand-Prix-Nation Schweiz

Nach einem schweren Unfall wurden in der Schweiz Rundstreckenrennen verboten. Für die Elektro-Boliden wird aber eine Ausnahme gemacht.

Philipp Aeberli
Drucken
Teilen
Die Formel-1-Fahrer 1952 auf der Rundstrecke im Bremgartenwald.

Die Formel-1-Fahrer 1952 auf der Rundstrecke im Bremgartenwald.

ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchi

Es ist eine Hassliebe: die Schweiz und der Motorsport. Einst war das Alpenland eine stolze Grand-Prix-Nation, dann wurden sämtliche Rundstrecken-Rennen verboten. Die MotorsportKultur nicht, die lebte in kreativen Nischen weiter. Und jetzt könnte sie sogar wieder richtig aufblühen – mit regelmässigen Rennen mit Elektro-Boliden in den Städten.

1931 bis 1939: Der GP Bremgarten

Schon vor den offiziellen Anfängen der Formel 1 trug der Automobil-Weltverband eine Internationale Grand-Prix-Formel aus. Teil dieser Weltmeisterschaft war von 1934 bis 1939 auch die Schweiz: Im Bremgartenwald wurde auf Berner Stadtgebiet ein 7,28 Kilometer langer Rundkurs abgesteckt, auf dem die Rennen des Formel-1-Vorläufers ausgetragen wurden. Über den Kurs rasten schon seit 1931 Motorrad-fahrer an WM-Läufen.

Den ersten Sieg beim Rennen 1934 holte sich der unter polnischer Flagge startende Deutsche Hans Stuck. Von 1940 bis 1946 wurden aufgrund des Zweiten Weltkrieges auch in der Schweiz keine Rennen ausgetragen.

1947 bis 1954: Ein jähes Ende

Nach dem Krieg wurden im Bremgartenwald von 1947 bis 1949 erneut drei Läufe der Grand-Prix-Saison ausgetragen, bevor 1950 die erste offizielle Formel-1-Saison startete. Die Formel 1 war von Anfang an auch in der Schweiz zu Hause. Auf der Strecke in Bern errang der Italiener Giuseppe Farina auf Alfa Romeo den ersten Formel-1-Sieg in der Schweiz. Es war allerdings nur ein kurzes Gastspiel der Königsklasse. 1955 kam es beim legendären 24-Stunden-Rennen in Le Mans (F) zu einem schweren Unfall, bei dem ein Auto in die Tribünen flog. 84 Menschen starben. Es kam zu Diskussionen über die Sicherheit bei Autorennen – und schliesslich 1958 zum Verbot von sämtlichen Rundstreckenrennen.

1955 bis 2018: Kreativität und Nischen

Auch danach lebte der Schweiz Motorsport weiter. So wurde der F1-Grand-Prix der Schweiz 1975 und 1982 kurzerhand im französischen Dijon ausgetragen. 1975 gewann mit dem Tessiner Clay Regazzoni auf Ferrari zum ersten und bislang einzigen Mal ein Schweizer einen Grandprix der Schweiz.

Aber auch ausserhalb der Formel 1 blieb die Schweiz durchaus Motorsport-aktiv – mit zahlreichen Renn-Veranstaltungen, die in der Schweiz weiterhin legal durchgeführt werden konnten: Rallyes, Bergrennen, Slalomprüfungen und Oldtimer-Rennen. Nur eben keine Rundstrecken-Rennen, bei denen mehrere Autos gleichzeitig auf der Strecke sind.

2018: Die Rückkehr

«Öffentliche Rundstreckenrennen mit Motorfahrzeugen sind verboten. Der Bundesrat kann einzelne Ausnahmen gestatten oder das Verbot auf andere Arten von Motorfahrzeugrennen ausdehnen.» So lautete 1958 das Urteil des Ständerats. Und von seiner Befugnis macht der Bundesrat gebrauch. 2016 erteilte er eine Ausnahmebewilligung für die Formel-E. Das geplante Rennen in Lugano scheiterte aber, da die Sponsoren nicht genügend Mittel zur Verfügung stellen konnten. Von der damals erteilten Bewilligung profitiert nun Zürich, wo kommenden Sonntag das erste Rundstreckenrennen in der Schweiz seit 64 Jahren ausgetragen wird.

Aktuelle Nachrichten