Verkehrsplanung

Jetzt kommen die Tempodrosselungs-Systeme auf der Autobahn

Staus sollten künftig durch flexible Tempo-Signalisationen verhindert werden

Staus sollten künftig durch flexible Tempo-Signalisationen verhindert werden

Starre Geschwindigkeitstafeln waren gestern. Moderne Signalisationen passen sich dem Verkehr an. Nun sollen solche Systeme flächendeckend auch in der Schweiz installiert werden. Der Aargau nimmt dabei eine Vorreiter-Rolle ein.

Konkret wird ein sogenanntes Tempodrosselungs-System zwischen Lenzburg und Birrfeld und zwischen Härkingen und Wiggertal installiert werden, wie Esther Widmer vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) bestätigt.

In Tunnel wie dem Belchen und Baregg ist es bereits schon im Betrieb, wobei das bereits im Dezember 2005 in Betreib gegangene System beim Baregg eine Vorreiterfunktion einnimmt. Denn eine Projektfreigabe wurde vom Erfolg dieses Systems abhängig gemacht, hatte man doch Abmachungen mit dem Kanton und dem Verkehrsclub der Schweiz (VCS).

10 Prozent mehr Fahrzeuge

Das ASTRA will auf rund 400 Autobahnkilometern mit solchen sitiuationsangepassten, also verkehrsabhängigen Geschwindigkeits-Regimen auf die unbequeme Situation reagieren. Dabei sollen auf bestimmten Strecken mit einem ausgeklügelten System die Geschwindigkeit gegebenenfalls gesenkt werden.

Der Grund: Fahren die Autos langsamer, fahren sie gleichmässiger; womit bis zu 10 Prozent mehr Fahrzeuge in der gleichen Zeit die gleiche Strecke passieren können. «Keineswegs also wird auf 400 Kilometern die Geschwindigkeit dauerhaft gesenkt», sagt Thomas Rorschach, Sprecher des ASTRA. «Natürlich ist es nicht das Ziel, dass von Bern bis Zürich durchgehend 80 km/h ist».

Kein Heilsbringer gegen Überlastung

Grundsätzlich werden solche Systeme in Agglomerationsgebieten eingesetzt, von denen aus Pendlerströme entstehen. «Nicht helfen kann das System, wenn die Autobahn dauerhaft überlastet ist, wie beispielsweise die Nord-Süd-Achse am Osterwochenende», erklärt Thomas Rorschach, Sprecher des ASTRA.

Weniger Unfälle

Installiert werden diese Systeme lediglich auf schon bestehenden Baustellen, was zur Folge hat, dass der Ausbau nur langsam vorankommt. Doch können sämtliche Strassen nachgerüstet werden. Weiterer Vorteil ist, dass es bedeutend weniger Unfälle in den entsprechenden Bereichen gibt, «im Falle des Baregg-Tunnels etwa einen Drittel», sagt Steiner. «Dies wirkt sich dann wiederum positiv auf die Kapazität aus», so Steiner.

Dies darum, weil das Systems bewirkt, dass die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den langsam Fahrenden und den schnell Fahrenden bei erhöhtem Verkehrsaufkommen so gering wie möglich ausfällt. Weiterer Vorteil ist, dass bei gleichmässigem Verkehr das Ein- und Ausfädeln leichter fällt und die Spuren besser ausgelastet sind. Zudem wird die Umweltbelastung erheblich kleiner, wenn sich der Verkehr homogen bewegt. Hauptargument aber ist, dass das Systeme innert 2 Jahren einsatzbereit ist.

3-6 Monate Lernphase

Allen Vorteilen zum Trotz ist man sich beim ASTRA bewusst, dass diese Systeme nur vorübergehende Lösungen sind und weitere Massnahmen bestenfalls hinauszögern. «Dies auch darum, da ein verbessertes Angebot immer auch die Nachfrage steigert», so Rohrschach. Hinzu kommt, dass man das System zuerst in den Griff bekommen muss, herausfinden muss, bei wie vielen Autos pro Kilometer die Geschwindigkeit gesenkt, und wann sie wieder aufgehoben werden kann. «Dieser Prozess nimmt in etwa 3-6 Monate in Anspruch», so Steiner.

Kampf gegen den Stau

Das ASTRA kämpft seit Jahren gegen den Stau, insbesondere gegen die Überlastung der Autobahnen. In 20 Jahren wird rund ein Fünftel der Autobahnen permanent überlastet sein. Schätzungen gehen davon aus, dass von 2004 bis 2030 der Verkehr um etwa 30 Prozent zunehmen wird.

Wiederholt machte das ASTRA Vorschläge, dem Problem Herr zu werden: Autobahnen auf sechs Spuren ausbauen, Lastwagenüberholverbot, erweiterte Nordumfahrung, vierte Baregg-Röhre; allen Vorschlägen gemein ist, dass sie Jahre, wenn nicht Jahrzehnte bis zur Realisation benötigen. Zudem hat das ASTRA ein Geldproblem: 20 Milliarden bräuchten sie, fünf davon haben sie.

Meistgesehen

Artboard 1