Der Frühling war selbst im trockenen Wallis kalt und nass. An Wanderungen in den Bergen war nicht zu denken. Doch jetzt, wo im Flachland die Hitze fast unerträglich wird, tummeln sich Tausende Touristen auf den Wanderwegen zwischen Furkapass und Genfersee.

«Unerträglicher Lärm»

Besonders beliebt ist die Mehrtagestour rund ums Matterhorn. «Da sind bei schönem Wetter Hunderte Wanderer in beiden Richtungen unterwegs», sagt Gottlieb Guntern, Buchautor («Im Zeichen des Schmetterlings») und Psychiater aus Brig.

Guntern war vergangene Woche mit seiner Frau im abgelegenen, nur im Sommer bewohnten Turtmanntal unterwegs. Und traute dabei seinen Ohren kaum.

«Vormittags und nachmittags donnerten immer wieder Flugzeuge der Schweizer Armee über unsere Köpfe hinweg.» Man habe während Minuten das eigene Wort nicht mehr verstanden. Die Armee soll trainieren dürfen, sagt Guntern. «Doch nicht während der touristischen Hochsaison.»

Die Walliserin Lea Fryand besitzt im Turtmanntal eine Alphütte auf fast 2200 Metern über Meer. Die letzten drei Wochen verbrachte sie oben auf den Bergen. «Es ist jedes Jahr dasselbe», sagt sie am Telefon hörbar verärgert. «Fast jeden Tag werden wir von Kampfflugzeugen beschallt.»

Das Gedröhne beginne jeweils vormittags um 9 Uhr und setze sich nach einer Mittagspause nachmittags bis 16.30 Uhr fort. «Ich kann einfach nicht verstehen, warum die Armee ausgerechnet im Hochsommer über dem Wallis trainieren muss.»

Luftwaffe: «Ja, wir trainieren»

Bei der Schweizer Luftwaffe redet man sich nicht lange heraus: «Ja, wir haben in den letzten Tagen und Wochen immer wieder trainiert», sagt Sprecher Laurent Savary, selbst im Wallis wohnhaft.

Das Wallis gehöre zu einer Zone, in welcher Übungen stattfinden dürfen. «Wenn wir unsere Piloten auf dem besten Ausbildungsstand haben wollen, dann sind regelmässige Trainings über der Schweiz unerlässlich.» Hinzu komme, dass die Luftwaffe für den Luftpolizeidienst von Montag bis Freitag Präsenz markieren müsse.

Savary sagt aber auch: Momentan sei die Lärmbelastung wegen des schönen Wetters höher. Schlechtes Wetter dämpfe die Emissionen. Doch ein Verzicht auf Flüge während der Touristensaison komme nicht infrage. «Dann könnten wir inklusive der Skisaison ein halbes Jahr lang nicht mehr trainieren.»

Zur Erinnerung: Das Stimmvolk hat 2008 eine Initiative von Umweltschützer Franz Weber mit fast 70 Prozent abgelehnt, die Flüge der Armee über Tourismusgebieten in Friedenszeiten drastisch einschränken wollte.