Ein Viertel davon sind Vergewaltigungen. Diese Zahlen gehen aus einer Umfrage von Forschern der Universität Zürich hervor, die der Zeitung «Schweiz am Sonntag» vorliegt. Doch wie hoch ist die Dunkelziffer? Um dies herauszufinden, befragte das Forscherteam auch 6000 Schüler zwischen 15 und 17 Jahren.

Erst durch den Vergleich der beiden Befragungen konnten die Forscher eine Hochrechnung machen. Die neuen Resultate schockieren: «Die Zahl der tatsächlichen Übergriffe sind deutlich höher», sagt Thomas Maier, Mitverfasser der Studie.

So komme es jährlich zu mehr als zehnmal so vielen Vergewaltigungen, wie bei Fach- und Polizeistellen gemeldet werden. «Bei den leichteren Formen wie beispielsweise Belästigungen, liegt die Dunkelziffer nochmals viel höher», sagt Maier. Überrascht ist Maier nicht nur die hohe Zahl der Missbrauchsopfer, sondern auch die Beziehung der Opfer zu den Tätern. 42 Prozent der Täter sind gute Bekannte im gleichen Alter und neun Prozent der Täter sind Familienmitglieder.

«Die wenigsten erwachsenen Täter, die Kinder sexuell missbrauchen sind jedoch pädophil», sagt Maier. Intensiv mit der Thematik Pädophilie setzt sich der Psychologe Andreas Mokros von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich auseinander.

«Gemäss Schätzungen sind etwa 30 bis 40 Prozent der strafrechtlich sanktionierten Sexualtäter pädophil», sagt Mokros. Allerdings fehlen Zahlen, wie hoch der Anteil an sexuellen Missbrauchstäter unter pädophilen Männern ist.

«Sicherlich erhöht Pädophilie die Wahrscheinlichkeit für die Begehung sexueller Missbrauchsdelikte an Kindern deutlich. Doch gleichzeitig ist Pädophilie weder eine hinreichende noch eine notwendige Vorbedingung für die Begehung sexueller Missbrauchsdelikte an Kindern.» Die Erfahrungen des Psychologen zeigen, dass es durchaus pädophile Männer gibt, die keine Delikte begehen.