Er widmet seine Arbeitszeit den Toten: Christian Jackows­ki (42) ist Direktor des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) an der Universität Bern. Wer tödlich verunfallt ist, umgebracht wurde oder sich das Leben genommen hat, landet auf dem Tisch von Jackowski. Er ist überzeugt: Hinter weit mehr Todesfällen, als heute angenommen, steckt ein Delikt. Zusammen mit weiteren Forschern hat er mit einer Studie Aufsehen erregt. Darin steht, dass "mehr als nur jedes zweite Tötungsdelikt nicht erkannt wird". Stattdessen gehen diese Fälle als natürliches Ableben durch.

Das Problem ortet Jackowski bei der Leichenschau. Es gebe viele Gründe, wieso sie teils nicht sehr sorgfältig durchgeführt würden, etwa das emotionsgeladene Umfeld während eines Todesfalls. "Das macht es für Ärzte schwer, dort eine sorgfältige Untersuchung zu machen", sagt er zu "Tele M1".

Nächstes Jahr startet er eine Studie, um die vermutete hohe Dunkelziffer zu belegen. Dazu begutachten die Forscher Leichen natürlicher Todesfälle kurz vor der Einäscherung nochmals – bloss äusserlich und von Auge. Obduktionen sind nicht geplant. Gibt es dann Hinweise auf ein Tötungsdelikt, schalten sie die Staatsanwaltschaft ein. 2500 Leichname sollen so ein Zweiturteil erhalten. Jackowski hat sich für sein Projekt die Zustimmung der kantonalen Ethikkommission geholt, wie die "Berner Zeitung" schreibt. (mwa)