Starker Franken
Jeder vierte Hotelgast ist weg – Hotellerie-Präsident kritisiert Nationalbank

Die Hotellerie im Wallis, Tessin und in Graubünden ist Opfer Nummer eins des überbewerteten Frankens. Wie gross die Anfälligkeit ist, hat die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) in mehreren Studien aufgezeigt.

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Die Betten bleiben oftmals leer (Symbolbild)

Die Betten bleiben oftmals leer (Symbolbild)

Keystone

Studienleiter Yngve Abrahamsen sagt zur «Schweiz am Sonntag»: «Wenn der Euro um die 1.05 Franken bleibt, wird die Hotellerie in den drei Kantonen etwa einen Viertel der Logiernächte aus dem Euroraum verlieren.»

Damit sei die Hotellerie in den Bergregionen der am stärksten betroffene Wirtschaftszweig. In den Städten gleichen Gäste aus Asien oder den Golfregionen die Verluste im deutschen oder holländischen Markt aus.

Andere Branchen leiden auch, aber weniger, wie etwa die Maschinenindustrie. «Die Logiernächte von Ausländern sind in der Vergangenheit jeweils stärker zurückgegangen als die Ausfuhren von Maschinen in den Euroraum.»

In den Grenzregionen wird der Schaden für den Detailhandel dadurch gemildert, dass die Kundschaft für Lebensmittel oft nicht weit fahren will. Zudem könne etwa Unterhaltungselektronik mittlerweile günstiger importiert werden. «Das schont die Margen.» Dagegen muss die Hotellerie in den Bergregionen das Allermeiste lokal einkaufen.

Kritik von Hotelleriesuisse

Derweil fragt Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse: «Wie lang will die SNB noch zuschauen? Bei der Aufhebung des Mindestkurses ging sie davon aus, dass sich der Euro zwischen 1.10 und 1.15 Franken einpendeln würde. Davon sind wir auch fünf Monate nach der Aufhebung weit entfernt», so Züllig zu „Schweiz am Sonntag“.

Klare Worte richtet Züllig auch an die Politik. «Immerhin hatte diese auch drei Jahre Zeit, um die Rahmenbedingungen für das Ende des Mindestkurses anzupassen. Sie ist keinen Schritt vorwärtsgekommen.»

So habe es die Politik verschlafen, Parallelimporte zu erleichtern. «Ausländische Konzerne setzen noch immer überzogene Preise durch.» Statt zu helfen, erlasse die Politik unsinnige Regeln.

«Speisekarten sollen alle Bestandteile angegeben, die Allergien verursachen. Sie werden bald aussehen wie Beipackzettel von Medikamenten», sagt Züllig, der in der Lenzerheide GR das Hotel «Schweizerhof» führt.

Die Politik solle daher einen Marschhalt einlegen. «Nicht mehr stemmbar», sei die Belastung durch den Franken. Man habe sich schon verausgabt, um die Euroabschwächung von 1.50 Franken auf 1.20 wettzumachen.

«Nun sollen wir bis zur Wintersaison einen Preisunterschied von 15 Prozent aufholen. Das ist mit besseren Prozessen und Marketing allein nicht zu schaffen.» Daher würden auch Betriebe in Schwierigkeiten geraten, die mit einem Kurs von 1.20 Franken eine Zukunft gehabt hätten.

«Hotels, die ihre Hausaufgaben gemacht und auch investiert haben – selbst solchen könnte es an den Kragen gehen.» Ein Hoffnungsschimmer sind die Schweizer Gäste. «Im letzten Winter hatten wir 2.5 Prozent mehr einheimische Gäste», sagt Züllig.

Das zeige auch, dass man bei kurzen Reisen nach wie vor einen Vorteil habe. «Viele wollen nicht fünf Stunden lang Auto fahren.» Nicht zuletzt hofft Züllig auf das Wetter. «Wenn wir Glück haben, wird uns das Wetter in der kommenden Sommer- und Wintersaison sehr helfen.» (sha)