Verkehrssicherheit
Jeder siebte Verkehrsteilnehmer sieht zu schlecht

Ob Auto -Motorrad -oder Velofahrer: 14 Prozent der Verkehrsteilnehmer unter 50 sehen schlechter als es die gesetzlichen Anforderungen für das Lenken eines Fahrzeugs vorschreiben.

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Den Wagen von links nicht bemerkt, das Hindernis zu spät erkannt oder das Motorad im Gegenlicht übersehen - bei unzähligen Verkehrsunfällen spielt ein mangelhaftes oder eingeschränktes Sehvermögen eine schicksalsträchtige Haupt- oder Nebenrolle.

Gesetzliche Minimalanforderung

Die gesetzliche Minimalanforderung für das Lenken eines Fahrzeugs (ohne Sehhilfe) liegt bei einer Sehschärfe von Visus 0,6 auf dem einen und Visus 0,1 auf dem anderen Auge. Je grösser der Visus ist, desto besser ist die Sehschärfe. Eine Sehschärfe von Visus 1,0 ist dabei ein Durchschnittswert für normales Sehen. Jüngere Menschen haben zuweilen Werte von bis zu Visus 2,0.

Wie neuste Zahlen des Touring Club Schweiz (TCS) aus dem Jahr 2009 zeigen, sieht jeder siebte Verkehrsteilnehmer unter 50 zu schlecht, trägt keine oder nur unzureichende Sehhilfen.

Bei den über 50-jährigen waren es 16 Prozent, die die rechtlichen Bedingungen (siehe Box) nicht erfüllten, bei den Fahrern über 70 waren es gar 30 Prozent. «Mit der steigenden Anzahl von mobilen Senioren, werden diese Zahlen weiter ansteigen», warnt Daniel Mühlemann, Experte für Verkehrssicherheit beim TCS.

Betroffene gewöhnen sich daran

Das Problem: Viele Verkehrsteilnehmer schätzen ihr Sehvermögen falsch ein. Denn meistens entwickelt sich eine Verschlechterung so langsam, dass sich die Betroffenen laufend daran gewöhnen und das verminderte Sehen erst dann bemerken, wenn dieses bereits deutlich fortgeschritten ist. «Wir halten es daher für wichtig, alle drei Jahre einen Sehtest zu machen - ganz unabhängig davon, ob man Brillen- beziehungsweise Kontaktlinsen trägt oder nicht», so Mühlemann.

Das schwindende Sehvermögen ist auch bei Via Sicura, dem Verkehrssicherheitsprogramm des Bundes, eine Thema. Neu müssen laut dem Programm Autofahrer ab 50 alle zehn Jahre zum Sehtest damit sie ihren Fahrausweis behalten können. «Das ist natürlich immer noch wenig», sagt Daniel Menna von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). «Wenn man allerdings bedenkt, dass heute ein Autofahrer nach Erteilung des Lehrfahrausweises erst mit 70 wieder zum Sehtest muss, ist die Massnahme von Via Sicura schon eine wichtige Verbesserung.»

Sehtests im November

Um die Autofahrer zu sensibilisieren, führt der TCS zusammen mit der Polizei im November eine Präventionskampagne durch. Autofahrer können einen Sehtest machen und gleichzeitig die Beleuchtung ihres Fahrzeugs überprüfen lassen. (jep)