Die Zahlen sprechen Bände: Macht ein Jugendlicher eine Lehre als Polymechaniker, ist sein Risiko an der Abschlussprüfung durchzufallen mehr als viermal geringer als bei seinem Kollegen, der eine Lehre als Elektroinstallateur gemacht hat.

Laut Bundesamt für Statistik (Bfs) sind 2013 1648 Polymechaniker zur Abschlussprüfung angetreten – 1570 waren erfolgreich. Das entspricht einer Erfolgsquote von 95 Prozent.

Bei den Elektroinstallateuren zeigt sich ein anderes Bild. Von 1920 Abschlusskandidaten fielen fast 400 durch. Das ergibt eine Durchfallquote von 21 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Montageelektrikern. Das Jahr 2013 ist kein statistischer Ausreisser. Die hohe Misserfolgsrate bei den «Stromern» hat System. Bereits 1995 fielen schweizweit 18 Prozent der Kandidaten durch.

Verband zeigt sich beunruhigt

Beim Verband Schweizer Elektro-Installationsfirmen (VSEI) sind die hohen Durchfallquoten ein Thema: «Wir sind beunruhigt», sagt Erich Schwaninger, Leiter Berufsbildung.

Der VSEI versucht beim Selektionsprozess der Lehrlinge anzusetzen, etwa mit einem vom Verband vorgegeben Eignungstest nach der Schnupperlehre.

Doch vermeintlich gute könnten sich später als schlechte Lehrlinge entpuppen, sagt Schwaninger. Zudem kämpft auch die Elektro-Branche damit, überhaupt Lehrlinge zu finden: «Da machen die Lehrmeister auch Kompromisse.»

Dabei mangelt es den Lehrlingen nicht etwa an den praktischen Fähigkeiten: «Die meisten fallen bei den schriftlichen Prüfungen durch», sagt Roger Graf, Geschäftsführer der Basler Elektroinstallateure.

In Basel ist man froh, dass die Zeiten mit Durchfallquoten von über 30 Prozent vorbei sind. Ein Thema ist das Problem aber weiterhin. Man versucht, wie andernorts, mit Ergänzungs- oder Vorbereitungskursen für die Abschlussprüfungen den Lehrlingen Hilfestellungen zu geben.

Der VSEI ist also nicht untätig, doch dem Verband kommt auch zu pass, dass zwar alle Kandidaten dieselbe Prüfung schreiben, die Unterschiede zwischen den Kantonen aber beträchtlich sind – das mildert den Handlungsdruck. Oder wie es Schwaninger sagt: «Man muss die Situation differenziert betrachten.»

Im letzten Jahr scheiterte im Kanton Waadt jeder zweite Elektroinstallateur-Lehrling, im Tessin ebenso. In den Kantonen Zürich, Basel Stadt, Wallis oder Thurgau mehr als jeder Fünfte.

Dagegen ist Durchfallen bei den Lehrlingen in den Innerschweizer Bergkantonen oder den beiden Appenzell eher die Ausnahme. Im Aargau lag 2013 die Durchfallquote mit 17 Prozent unter dem schweizerischen Schnitt.

Verband zu intellektuell?

Nationalrätin Martina Munz (SP/SH) unterrichtet als Berufsschullehrerin Elektroinstallateure. Sie hält die hohe Durchfallquote für untragbar: Sie gefährde das Image des Systems, wirke sich negativ auf die Rekrutierung von Lehrlingen aus und führe zu hohem Druck auf diese.

Munz kritisiert die Kantone, welche ihre Aufsicht nicht wahrnehmen. Und den Verband, weil er einseitig auf die Rekrutierung von «besseren» Lehrlingen setze. Munz will deshalb den Druck auf politischer Ebene erhöhen: Sie reichte in dieser Session ein Postulat ein, welches einen Bericht über die Durchfallquoten bei Lehrabschlussprüfungen nach Berufen und ihren Ursachen fordert.

Die Antwort des Bundesrates steht noch aus. Die Nationalrätin hat ihre Analyse für die Elektroinstallateure indes bereits gemacht. Sie hält die theoretischen Anforderungen des VSEI für zu hoch. Den handwerklichen Anforderungen würden die Lehrlinge genügen.