Die Schweiz zählt über 13 000 gemeinnützige Stiftungen. Dies geht aus dem neuesten Schweizer Stiftungsreport hervor, den die Vereinigung Swiss Foundation gestern an einem Symposium vorstellte. Die Hälfte der Organisationen sind erst in den vergangenen 20 Jahren entstanden. Seit einigen Jahren ist die Zahl der Neugründungen zwar leicht rückläufig, dennoch wurde im vergangenen Jahr im Schnitt täglich eine weitere Stiftung ins Leben gerufen. 2017 wurden aber auch 187 Stiftungen liquidiert, weil entweder ihr Vermögen aufgebraucht oder der Stiftungszweck nicht mehr erreichbar ist. Insgesamt resultierte daraus ein Zuwachs von immerhin 177 gemeinnützigen Organisationen.

Noch stärker gewachsen als die Zahl ist das von den Stiftungen verwaltete Vermögen. Nach einer aktuellen Umfrage bei den Stiftungsaufsichten auf eidgenössischer, kantonaler wie kommunaler Ebene verfügen die Stiftungen insgesamt über 97,4 Milliarden Franken. Dies sind gut 30 Prozent mehr als bei der letzten Erhebung vor fünf Jahren.

Georg Schnurbein, Professor für Philanthropische Studien an der Universität Basel, nennt neben den Neustiftungen zwei Gründe für den massiven Zuwachs. Zum einen seien Institutionen wie Museen oder Pflegeheime, die selbst einen grossen Wert darstellen, in Stiftungen überführt worden. Zum anderen profitierten Stiftungen von der Wertsteigerung der stiftungseigenen Immobilien.

Bunte Stiftungslandschaft

Im Durchschnitt verfügt eine Schweizer Stiftung über ein Vermögen von 8,2 Millionen Franken. Die Unterschiede sind jedoch gross. Liegt der Durchschnittswert aller Glarner Stiftungen bei lediglich 1,7 Millionen Franken, so verfügen die Basler Stiftungen über ein durchschnittliches Vermögen von 23,6 Millionen Franken.

Die Stiftungslandschaft Schweiz ist regional vielfältig. Im Stiftungskanton Basel gibt es rund siebenmal mehr Stiftungen pro 10 000 Einwohner (45,3) als im Schlusslicht Aargau. In Zug, Genf und Zürich ist die Mehrheit der angemeldeten Stiftungen international tätig und wird entsprechend von der eidgenössischen Stiftungsaufsicht kontrolliert. In Kantonen wie den beiden Appenzell, Glarus oder Schaffhausen sind Stiftungen dafür praktisch ausschliesslich in der eigenen Region tätig.

Neuartige Kryptostiftungen

Eine neue Erscheinung sind die sogenannten Kryptostiftungen, die im Kanton Zug entstanden sind. Initiiert von der Stiftung Ethereum, die 2014 den Ruf des Kantons als «Crypto Valley» begründete, folgten 40 Nachahmer. Stiftungen «gehören» niemandem und ihr Vermögen darf einzig für den Stiftungszweck eingesetzt werden. Von den Initianten von Kryptowährungen wird diese juristische Form deshalb als geschütztes Gefäss geschätzt, um darin das den Kryptowährungen zugrunde liegende Blockchain-Protokoll sicher zu deponieren.

Die traditionellen gemeinnützigen Stiftungen blicken mit gehöriger Skepsis auf ihre neuartigen Kollegen. Sie fürchten um den guten Ruf der Gemeinnützigkeit, nachdem etwa die Kryptostiftung Tezos in den vergangenen Monaten international in die Schlagzeilen geraten ist. Tezos wird vorgeworfen, betrügerisches Management für ihre digitale Währung betrieben zu haben. Auf den Plan gerufen wurde damit auch die Finanzmarktaufsicht. Dabei wollen die gemeinnützigen Stiftungen genau dies vermeiden: eine stärkere staatliche Regulierung ihres Tuns.