Hafturlaub
Jeannette Brumann befürchtet neue «Softie-Welle» im Strafvollzug

Jeannette Brumann zum Fall Jean-Louis B.: Brumann hat vor fast 20 Jahren ihre Tochter durch einen Mörder auf Hafturlaub verloren. Sie sei schockiert und sei es trotz der Verhaftung immer noch, sagt Brumann.

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Keystone

In einem Interview mit der Zeitung „Der Sonntag" äussert sich Jeannette Brumann erstmals zum Fall Jean-Louis B. Brumann hat vor fast 20 Jahren ihre Tochter Pasqual durch einen Mörder auf Hafturlaub verloren. Sie sei schockiert und sei es trotz der Verhaftung immer noch, sagt Brumann: „Ich habe nicht gewusst, dass im Massnahmenvollzug jemand aus humanitären Gründen rausgelassen wird. Das habe ich noch nie gehört. Wir kann man mit jemandem spazieren gehen, der eigentlich lebenslänglich hat? Da stimmt doch etwas im System nicht." Jean-Louis B. hätte nie rausgelassen werdne sollen, so Brumann: „Er hat seine Strafe abzusitzen und daran gibt es nichts zu rütteln. Er ist und bleibt doch eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Hier wurden alle vernünftigen Grundsätze auf den Kopf gestellt."

Die Verantwortlichen hätten „völlig weltfremd und blauäugig" entschieden. Es seien Leute in entscheidenden Positionen am Ruder, die nur noch das Gute sehen würden: „Diese Leute sind nicht ganz bei Sinnen." Sie könne 1 zu 1 Parallelen zu der Tragödie um ihr Kind ziehen: „Auch bei uns hiess es: Alles lief korrekt ab, niemand ist schuld. Niemand übernahm die Verantwortung für den Tod unserer Tochter." Das Grundproblem sieht Brumann beim Kantönligeist: „Zürich ist viel strenger als andere Kantone. Aber eigentlich bräuchte es doch eine gesamtschweizerische Regelung. Es kann doch nicht jeder Kanton tun und lassen, was er will. Das ist ein Systemfehler, wie er schon damals in Zürich vorlag. Jeder Kanton hat doch eine andere Auffassung von den Abläufen und interpretiert sie anders." Sie richtet einen Appell an Justizministerin Simonetta Sommaruga: „Es müssen jetzt alle Verantwortlichen über die Bücher gehen - in den Kantonen, aber vor allem auch beim Bund. Das ist ein Thema, dass auf der Ebene der Regierung gelöst werden muss." Man sei jetzt noch mit einem blauen Auge davongekommen: „Aber wie sieht es beim nächsten Mal aus? Leider wird es wieder einen solchen Fall geben."

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