Jean Sarkozy: Geschickt verkaufter Rückzieher

Schwere Niederlage für die Sarkozys: Nach wochenlangen Vorwürfen der Vetternwirtschaft musste Frankreichs Präsident seinem Sohn eine Beförderung verweigern.

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Keystone

Stefan Brändle, Paris

Am Anfang war er noch etwas bleich, aber das war verständlich: Erst gerade 23-jährig und noch mitten im Jusstudium steckend, trat Jean Sarkozy in der Haupttagesschau vor Millionen von TV-Zuschauern, um seinen Verzicht auf die Kandidatur für den Vorsitz des Pariser Geschäftsviertels La Défense bekannt zu geben.

Dann aber gab der Präsidentensohn nur noch Sätze wie aus dem Kommunikationslehrbuch von sich: «Ich will keinen Sieg, der mit dem Makel des Verdachts behaftet ist», meinte er zum Vorwurf, er habe die Nominierung zu einem Spitzenposten der französischen Finanzverwaltung bloss seinem Namen zu verdanken. Ob seine Kandidatur ein Fehler gewesen sei? «Es ist nie ein Fehler, wenn man sich für etwas einsetzt.» Was er von der Kritik an ihm halte? «Eine professionell orchestrierte Desinformationskampagne und Manipulation.»

Professionell war vor allem sein Auftritt. Das Haar frisch geschnitten, den Jünglingslook durch eine feine Brille «gereift», trug er am Handgelenk eine billige Swatch - während sein Vater für seine teure Rolex-Uhren bekannt ist. Jean Sarkozy, der Altersheimbewohnerinnen ebenso herzlich die Hand schüttelt wie den Finanzhaien von La Défense, erschien im TV-Studio flankiert von seiner Ehefrau, der Tochter eines bekannten Haushaltgeräte-Industriellen, und seinem Kommunikationsberater.

Diesem fiel vielleicht auch die Antwort auf die zu erwartende Journalistenfrage ein, ob Vater und Sohn den Verzicht gemeinsam beschlossen hätten: «Habe ich mit dem Präsidenten der Republik darüber gesprochen? Nein. Mit meinem Vater? Ja», erwiderte Jean mit einer echt sarkozyschen Ausflucht.

Möglicherweise steckt aber doch ein Körnchen Wahrheit dahinter: Elysée-Kenner berichteten gestern, dass Jean sehr geschickt die Schuldgefühle seines geschiedenen Vaters ausnütze. Nicolas Sarkozy, der selbst unter einem abwesenden Vater gelitten hatte, kümmerte sich selbst wenig um seinen Sohn aus erster Ehe mit der Korsin Marie-Dominique Culioli. Gut möglich, meinen diese Stimmen, dass Jean seinen Papa dazu überredet habe, dem massiven Druck der Öffentlichkeit nachzugeben, um seine Karriere nicht mit einem Fauxpas zu starten.

Der grundsätzliche Entscheid ist aber zweifellos im Elysée selbst gefallen. Nicolas Sarkozy hatte vor ein paar Tagen selber erklärt, durch das Kesseltreiben gegen seinen Sohn suche man in erster Linie ihn selbst zu treffen.

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