Gaudin, Waadtländer wie Verteidigungsminister Guy Parmelin, bekleidet den Rang eines Divisionärs. Seine gesamte Laufbahn ist militärisch geprägt. 1987 trat er ins Instruktionskorps der mechanisierten und leichten Truppen ein. Im Jahr 2000 kommandierte er eine Versorgungseinheit der OSZE in Bosnien-Herzegowina.

Im Jahr 2003 folgte ein Studienaufenthalt am Nato Defence College in Rom. Anschliessend wurde Gaudin in verschiedenen Führungsfunktionen im Militärischen Nachrichtendienst eingesetzt, ab 2005 als stellvertretender Leiter. Es folgten Weiterbildungen am Defence College in Chicksands (GB) und am Institut des Hautes Etudes de Défense Nationale in Paris. 2008 stieg Gaudin zum Chef Militärischer Nachrichtendienst auf.

Unruhige Zeiten

Als NDB-Direktor ersetzt der 55-Jährige Gaudin Markus Seiler, der den Dienst seit der Zusammenlegung von Inland- und Auslandgeheimdienst 2010 geleitet hatte. Seiler ist seit Dezember 2017 Generalsekretär im Aussendepartement EDA.

Er übergibt Gaudin den NDB in einer unruhigen Phase. 2012 hatte ein Mitarbeiter geheime Daten gestohlen. Die Geschäftsprüfungsdelegation der Eidgenössischen Räte (GPDel) machte dafür vorab Seiler verantwortlich. Er soll die Informationssicherheit in schwerwiegender Weise vernachlässigt haben.

Ausserdem hatte die Affäre um den in Deutschland verhafteten Schweizer Spion Daniel Moser den von Natur aus auf Diskretion bedachten Nachrichtendienst zu ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit verholfen. Im März veröffentlichte die GPDel einen Untersuchungsbericht zu dem Fall, der seltene Einblicke in die Arbeit des Geheimdienstes gewährte.

Interne unterliegen

Im Rennen um den Posten des NDB-Direktors war offenbar auch der 49-jährige Pascal Luthi. Er kommandiert seit 2012 die Kantonspolizei Neuenburg. Vor seinem Eintritt in den Polizeidienst arbeitete der Physiker als Sicherheitschef des Agrochemiekonzerns Syngenta.

Ebenfalls unterlegen sind zwei prominente Anwärter mit Erfahrung im zivilen Nachrichtendienst. Seilers Stellvertreter Paul Zinniker steht wegen der Affäre um den Schweizer Spion Moser in der Kritik. Gemäss dem GPDel-Bericht hatte er 90'000 Euro für ein Abwehrdispositiv gegen Bankdaten-Diebstähle bewilligt. Resultate brachte diese Operation Mosers nicht.

Der Walliser Jacques Pitteloud ist Direktor Ressourcen im Aussendepartement EDA. Gegen ihn lief eine Strafuntersuchung, weil er als Botschafter in Kenia zwei Männer zu einer Millionenzahlung genötigt haben soll.

Ab 2000 hatte Pitteloud als Nachrichtenkoordinator des Bundes gewirkt. Später galt er im EDA als Mann für heikle Fälle. So soll er die nicht durchgeführte Militäraktion geplant haben, mit der im Jahr 2008 die zwei Schweizer Geiseln aus Tripolis befreit werden sollten.

Die Ausrüstung eines Schweizer Rekruten: