Schweizer Tourismus
Japanische Touristen ziehen ihr Reiseprogramm durch

Während in Japan die Lage immer dramatischer wird, sind in der Schweiz viele Japaner als Touristen unterwegs. Sie zeigen sich zwar besorgt und sind in Kontakt mit ihren Familien - die Reise abbrechen wollen aber die wenigsten.

Jessica Pfister
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Vor dem Matterhorn: Japanische Touristen (Archiv).

Vor dem Matterhorn: Japanische Touristen (Archiv).

Keystone

In Zermatt ist zurzeit eine 28-köpfige Reisegruppe aus Japan unterwegs. Das Walliser Bergort am Fusse des Matterhorns ist die Nummer Eins-Destination von japanischen Touristen in der Schweiz. Rund 90 000 Mal pro Jahr übernachten sie in Zermatt.

Heute war die Reisegruppe auf der Skipiste. Sie stammen alle aus der Umgebung Tokios - dem Gebiet, über das möglicherweise in den nächsten Stunden eine radioaktive Wolke treibt. «Die Menschen sind in Sorge und in ständigem Kontakt mit ihren Familien», sagt Reiseleiter Yuighi Kanzaki, der in Zermatt ein Reisebüro betreibt.

Swiss-Flüge nach Japan gut gebucht

Wie Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek gegenüber der az sagt, sind die Flüge von Zürich nach Tokio in den nächsten Tag gut gebucht. 180 Plätze im heutigen Flug um 18 Uhr seien besetzt (insgesamt 220 Plätze). Auch für die nächsten Tage sei die Auslastung gut. Gleich klingt es bei Japan Airlines und All Nippon Airways. (jep)

Eine Frau hat laut Kanzaki ihr Haus bei dem Erdbeben verloren. Dennoch will weder sie noch die restliche Gruppe die Reise frühzeitig abbrechen. «Sie bleiben wie geplant bis am Samstag in der Schweiz und fliegen dann nach Hause.» Auch der Reiseleiter versucht regelmässig mit Verwandten in seiner Heimat zu telefonieren: «Durch die Stromausfälle ist dies aber nur schwierig möglich.»

Keine Panik

In Grindelwald denken die etwa zehn japanischen Touristen ebenfalls nicht daran, vorzeitig abzureisen. «Sie ziehen ihr normales Reiseprogramm durch», sagt Yasuyo Ando vom japanischen Informationsbüro Grindelwald. Panik herrsche keine. «Das liegt einerseits an der zurückhaltenden Mentalität der Japaner, andererseits können sie sich hier aufgrund von Sprachbarrieren oft nur über die Japanischen Nachrichten informieren, die bisher nur vage über die Atomgefahren gesprochen haben.»

Für die nächste Woche haben Ando zwei Annulationen aus Japan erreicht, für den Sommer - die Hauptreisezeit der Japaner in der Schweiz - seien noch keine Stornierungen eingetroffen. Ähnlich sieht die Situation in Interlaken und in Luzern aus: Kaum Annulationen von Reisenden aber auch keine Japaner, die aus Angst vor der Katastrophe ihre Rückkehr verzögern und länger in der Schweiz bleiben.

Solidaritätsaktion in Grindelwald

Tiefe Betroffenheit herrscht bei den Ferienorten selber. «Japan liegt uns am Herzen, auch durch die seit über zehn Jahre bestehende Verschwesterung mit der Stadt Myoko», sagt Edith Zweifel von Zermatt Tourismus. Vor wenigen Monaten waren gerade noch 16 Schulkinder aus Myoko in Zermatt auf Besuch. «Der Gegenbesuch im Mai wurde nun aus verständlichen Gründen abgesagt.»

In Grindelwald ist laut Infobüro-Chefin Ando für morgen eine Solidaritätsaktion für die Opfer in Japan geplant. Denn auch Grindelwald hat eine Schwesternstadt in Japan. «Mit der Aktion wollen wir ihnen Mut und Kraft geben», sagt Yasuyo Ando.

Die ganze Bevölkerung wurde aufgerufen, sich zum Anlass in Weiss oder Rot zu kleiden. Ziel ist eine japanische Flagge zu bilden. Das Foto mit der Botschaft «bleibt stark» soll an die Schwesterstadt Matsumoto im Norden Japans geschickt werden. «Ausserdem möchten wir Spenden sammeln, welche die Gemeinde den Opfern zukommen lassen soll.»