Schweiz

Ja zum Transitplatz: Städte überstimmen die Landgemeinden

In Wileroltigen stören sich viele an Wohnwagenbewohnern.

In Wileroltigen stören sich viele an Wohnwagenbewohnern.

Der Kanton Bern sagt mit 53,5 Prozent Ja zum Bau eines Transitplatz für Fahrende. Während die Befürworter jubeln, sprechen die Gegner von einem «traurigen Tag».

Der Kanton Bern kann in Wileroltigen einen Transitplatz für ausländische Fahrende einrichten. Die Berner Stimmberechtigten haben das Referendum gegen die Vorlage mit 53,5 Prozent abgelehnt. Damit kann der Kanton den Transitplatz für 3,3 Millionen Franken einrichten. Den Ausschlag gaben die Städte Bern, Biel und Thun sowie die jurassischen Gemeinden.

In den ländlichen Regionen überwogen die Nein-Stimmen. Besonders deutlich in Wileroltigen selbst: 91 Prozent der Stimmberechtigten wollen von einem Transitplatz in der direkten Nachbarschaft nichts wissen.

«Ein trauriger Tag für den Kanton Bern,» sagt Adrian Spahr, Co-Präsident der Jungen SVP, die das Referendum ergriffen hatte. Die Städter hätten die Landbevölkerung einmal mehr überstimmt, die Direktbetroffenen vor Ort müssten nun gegen ihren Willen mit den Folgen leben.

Umstrittene Plakate

Freude herrscht hingegen bei SP und Grünen, die sogleich nach Bekanntgabe des Resultats entsprechende Medienmitteilungen verschickten. «Offensichtlich hat die gehässige Kampagne der Gegner bei einer Mehrheit nicht verfangen», schreibt die SP, Partei der zuständigen Regierungsrätin Evi Allemann. Es handle sich bei der Abstimmung um ein wichtiges Zeichen an die Fahrenden. Auch die Grünen des Kantons Bern sprechen von einem «wichtigen Schritt.»

Die Junge SVP unter den Co-Präsidenten Adrian Spahr und Nils Fiechter hatte schweizweit für Aufsehen gesorgt, als sie mit einem Plakat für das Referendum warb, das vom Berner Obergericht später als rassistisch beurteilt wurde. Das Bundesgericht bestätigte das Urteil. Im Abstimmungskampf verwendete die JSVP die umstrittenen Karikaturen nicht mehr.

Bis zu 500 Fahrende

Zu Ende sind die Diskussionen um den Transitplatz in Wileroltigen noch nicht. Man werde nun genau beobachten, ob es mit dem Transitplatz tatsächlich nicht mehr wie bisher zu illegalen Landnahmen komme, sagt Adrian Spahr. Diese waren in Wileroltigen in der Vergangenheit ein Problem. So campierten 2017 rund 500 ausländische Fahrende ohne Genehmigung. Exakt dort, wo nun der Transitplatz zu stehen kommen soll. Zum Vergleich: Die Gemeinde selbst hat weniger als 400 Einwohner.

Die Region ist bei Fahrenden aus dem Ausland vor allem wegen der Verdienstmöglichkeiten beliebt. Im Berner Seeland wird auf vielen grossen Flächen Gemüse angebaut, das nur bedingt maschinelle geerntet werden kann. Deshalb beschäftigen viele Landwirte Erntehelfer aus dem Ausland, unter anderem Fahrende aus Frankreich.

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