Christoph Brutschin
IWB erst ab 2010 selbständig

Nach 100 Tagen im Amt blickte Regierungsrat Christoph Brutschin zurück und voraus. Die Ausgliederung der IWB wird ihn länger beschäftigen als gedacht.

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IWB erst 2010 selbständig_2

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bz Basellandschaftliche Zeitung

David Weber

Nach 100 Tagen kann kaum ein Exekutivpolitiker stolz auf eine grössere Eigenleistung verweisen. Das ist auch bei den neuen SP-Regierungsräten Christoph Brutschin und Hans-Peter Wessels nicht anders. Sachgeschäfte brauchen einfach länger als 100 Tage. So wurde etwa die Verselbständigung der Industriellen Werke Basel (IWB) von Brutschins Vorgänger Ralph Lewin eingefädelt. Verständlich also, dass die beiden Neuen an der gestrigen Medienorientierung mit atmosphärischen Bemerkungen begannen.

Neue Verwaltung ist 130 Tage alt

Sie sind beide unfreiwillige Überläufer: Alain Groff und Jürg Hofer. Durch die Verwaltungsreorganisation haben sie seit Anfang Jahr beide ihren Arbeitsplatz in einem neuen Departement. Groff, Leiter Mobilität, ist neu im Bau- und Verkehrsdepartement (BVD). Der Leiter des Amts für Umwelt- und Energie ist neu dem Wirtschafts- Sozial- und Umweltdepartment (WSU) angegliedert. Gestern präsentierten sie den Medien ihre Erfahrung nach 130 Tagen mit den neuen Verwaltungsstrukturen.

«Eine Reorganisation dieser Tragweite beansprucht sehr viel Ressourcen», sagte Mobilitätsleiter Groff, neu im BVD. Die Bilanz sei aber insgesamt positiv. WSU-Vorsteher Christoph Brutschin bezeichnet sein Departement gerne als «Nachhaltigkeitsdepartement». Das freut auch «Neuzugang» Hofer. Denn das AUE sei nicht in ein bestehendes «Wirtschaftsdepartement» gekommen. Die «Umwelt» sei einer von drei starken Pfeilern des WSU. Vor Zielkonflikten zwischen Wirtschafts- und Umweltpolitik hat Hofer keine Angst. (daw)

Wie Bau- und Verkehrsdirektor Wessels (das Interview zu seiner 100-Tage-Bilanz erschien letzten Samstag in der bz) betont auch Brutschin die erfreulich gute Aufnahme im Kreis der anderen fünf Regierungsräte. Der frühere Grossrat und Rektor der Handelsschule KV Basel kannte seine künftigen Regierungskollegen alle schon von seinen früheren Tätigkeiten. Sie hätten ihn in «Watte gepackt, so dass er bisher noch keinen Landschaden verursacht habe», erklärte der 51-Jährige scherzhaft.

IWB: Zeitplan zu ambitiös

Dazu beigetragen hat sicher auch, dass das Parlament im Februar «sein» erstes grosses Sachgeschäft, die Verselbständigung der IWB, gut aufgenommen hatte. Doch eben, dieses Geschäft hatte Brutschin weitgehend von seinem Vorgänger übernommen, wie auch das Mobilfunk-Konzept.
Themen, die den direkt und unkompliziert auftretenden Brutschin natürlich auch in Zukunft begleiten werden. Und Brutschin gab gestern gleich noch eine Neuigkeit bekannt. Die vom Parlament im Februar beschlossene Verselbständigung der IWB wird erst ab Januar 2010 Tatsache.

«Wir wussten, dass der zuerst avisierte Zeitpunkt Juli 2009 ambitiös war», sagte Brutschin. Zu ambitiös, wie sich zeigte. Die Vorbereitung der Ausgliederung der IWB in eine öffentlich-rechtliche Anstalt brauche mehr Zeit, so dass diese erst ab Januar 2010 wirksam werde.
Brutschin trat sein Amt an der Spitze eines neu geschaffenen Departements an. Im Rahmen der Verwaltungsreorganisation RV 09 gab es im Vergleich zum alten Wirtschafts- und Sozialdepartement einige Neuerungen. So musste Brutschin das Dossier «Verkehr» an Kollege und BVD-Vorsteher Hans-Peter Wessels abgeben. Dafür wechselte etwa das Amt für Umwelt und Energie zum WSU (vgl. Box unten).

Von der Krise gefordert

Christoph Brutschin schätzt das «interessante Themenspektrum» von Wirtschafts- über Sozial- zu Umweltthemen. Er nennt das WSU auch einen «Bastelkasten», was er durchaus positiv meint. Man könne Neues schaffen, etwas zusammensetzen. Brutschin weiss, dass es noch Zeit braucht, bis alle neuen Teile, wie etwa die Sozialhilfe, endgültig im WSU angekommen sind und die Abläufe reibungslos funktionieren.

Gefordert wurde Brutschin in seinen ersten drei Monaten von der Wirtschaftskrise, die einige «Dellen in die Konjunkturentwicklung» schlug, erklärte Brutschin. Als konjunkturstützende Massnahme soll nun etwa die Erstellung eines flächendeckenden Glasfasernetzes vorgezogen werden. Eine Verbesserung der Energieeffizienz oder eine Aktivierungsstrategie für Langzeitarbeitslose sind weitere wichtige Themen, an denen Brutschins Departement derzeit arbeitet.

Oft besetzte Wochenenden

Das Regierungsratsamt bleibt natürlich nicht ohne Einfluss auf das Sozialleben, wie der Vater einer Tochter bestätigt. Mit Verpflichtungen am Abend («rund drei pro Woche») habe er gerechnet, überrascht hätten ihn die vielen Wochenendeinsätze. Das mache er zwar gerne. «Schade ist bloss, dass die Woche nicht zehn Tage hat.»

Kollege Wessels (zwei Kinder) pflichtet bei: Man müsse aufpassen, dass die Familie oder man selbst nicht zu kurz komme. Um Letzteres zu gewährleisten, erzählt Wessels, hoffe er ab und zu einen Tag in der Hängematte im Garten einstreuen zu können.

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