Flagge abschaffen?

Ivica Petrusic: «Ich erhielt anonyme Morddrohungen»

Schweizer Fahne

Schweizer Fahne

Am Wochenende wollte Ivica Petrusic die Schweizer Fahne mit dem Kreuz abschaffen. Tage später will der Leiter Jugend von SecondoPlus davon nichts mehr wissen und erzählt der az, was dieses «Missverständnis» für Folgen hatte.

Herr Petrusic, am Wochenende wollten Sie die Schweizer Fahne abschaffen und ein paar Tage später wollen Sie von Ihrem eigenen Vorschlag plötzlich nichts mehr wissen. Was stimmt jetzt?

Ende August organisierte SecondoPlus einen Event. Dabei hielt ich eine Rede über Symbole, Werte und Identität in der Schweiz.

Was war der Kern Ihrer Botschaft?

Ich bin der Ansicht, dass die Schweizer Symbole alle Menschen in diesem Land repräsentieren müssen - und nicht nur einem kleinen, exklusiven Kreis aus dem rechtsbürgerlichen Lager vorbehalten sein dürfen.

Und in dieser Rede haben Sie sich für eine neue Fahne stark gemacht?

Im Vorfeld meiner Rede habe ich recherchiert und stiess auf die ehemalige Flagge der helvetischen Republik. Diese wurde 1799 eingeführt und bestand aus den Farben grün, rot und gelb quergestreift. Diese Farben stehen notabene für die Urkantone Schwyz und Uri und Grün für die Revolution. Darüber hinaus wurde den Ausländern während dieser Epoche ab dem 20. Lebensjahr das Stimm- und Wahlrecht eingeräumt. Damit steht die helvetische Flagge in meinen Augen für eine fortschrittliche und weltoffene Schweiz.

Aber das Stimm- und Wahlrecht für Ausländer existiert heute nicht mehr.

Und genau das möchten wir ändern. Heute wird unterschieden in Ausländer, Eingebürgerte, Schweizer und Eidgenossen. Für mich ist diese Kategorisierung inakzeptabel. Wir Secondos sind auch Schweizer und wollen als Mitglieder der Schweizer Gesellschaft anerkannt werden. Zudem wollen wir politisch Verantwortung übernehmen.

Also wollen Sie die Schweizer Fahne mit dem Kreuz doch abschaffen!

Nein. Davon kann keine Rede sein. Während der Rede habe ich dann lediglich erwähnt, dass wir im Oktober eine Fahnenaktion planen. Eine Art Friedenskundgebung. Dabei wollten wir alle dazu aufrufen, mit ihren bevorzugten Symbolen mitzumarschieren und am Ende der Demonstration diese zu einer grossen Fahne zu verknüpfen.

Ihre Kehrtwende erstaunt trotzdem. Ist es nicht so, dass Sie sich politisch verspekuliert haben? Sie sahen, dass die Bevölkerung nicht goutiert, wenn jemand mit Schweizer Symbolen und Werten spielt und machten einen Rückzieher.

Das ist ihre Interpretation. Fakt ist: In den Dokumenten von Secondoplus steht nirgends, dass wir die Schweizer Fahne abschaffen wollen. Überhaupt betrifft diese Geschichte nicht SecondoPlus, sondern mich allein. Ich wollte nur der Motor zum Gedankenanstoss über Symbole und Werte in der Schweiz sein.

Wirklich? Sie betreiben nicht Wahlkampf auf dem Buckel der Ausländer?

Das Gegenteil ist der Fall. Wir kämpfen seit Jahren an vorderster Front gegen Rassismus, Diskriminierung, und für erleichterte Einbürgerungen und Gleichberechtigung.

Was entgegnen Sie den Kritikern, die Ihnen vorwerfen, mit dieser Aktion in die Hände der SVP zu spielen?

Soviel ich weiss, hat Toni Brunner die Debatte nicht negativ aufgenommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie es auf Schweizer Symbole abgesehen haben. Auch die Schweizer Hymne wollten Sie ändern. Wieso fühlen Sie sich in der Schweiz nicht wohl und vertreten?

Erstens: Ich habe nie mit Schweizer Symbolen gespielt. Zweitens: Natürlich fühle ich mich in der Schweiz vertreten. Drittens: Ich habe den Schweizer Psalm anders arrangiert und die Reaktionen darauf fielen überaus positiv aus.

Was man von der Fahnen-Aktion nicht behaupten kann.

In der Tat. Es gab negative, zum Teil gehässige Reaktionen und Drohbriefe.

Konkret?

Es ging bis zu anonymen Morddrohungen.

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