ITALIEN
Mario Draghi sollte zehn Jahre regieren – tritt aber schon bald ab

Italien hebt die Corona-Beschränkungen auf und bekommt viel Geld von der EU. Das Land ist aber nicht aus dem Schneider.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Auf Reformkurs: Italiens Ministerpräsident Mario Draghi.

Auf Reformkurs: Italiens Ministerpräsident Mario Draghi.

Giuseppe Lami / EPA

Früher und härter als andere europäische Länder wurde Italien von der Pandemie getroffen. Die Bevölkerung musste sich an Restriktionen wie Ausgangssperren halten, und der wirtschaftliche Einbruch war gross. Der Tourismus, in Italien ein wichtiger Sektor, kam monatelang fast vollständig zum Erliegen.

Am kommenden Montag werden nun in allen Regionen Italiens die Massnahmen zur Eindämmung des Virus weitgehend aufgehoben. Das Impfprogramm kommt schnell voran. Auch ausländische Touristen buchen Unterkünfte für die Sommersaison.

Unter der Führung von Ministerpräsident Mario Draghi hat die italienische Regierung seine Anträge für den Wiederaufbaufonds der EU überarbeitet. Nun fliessen schon bald die ersten 25 der insgesamt 210 Milliarden Euro in den Süden. Es ist für Italien eine verheissungsvolle Zeit: Das Land macht sich an die Modernisierung seiner Infrastruktur, und die Regierung Draghi will die überbordende Bürokratie reduzieren. Zur guten Stimmung tragen die dynamischen Auftritte der Fussballnationalmannschaft bei. Sie zählt an der Europameisterschaft zu den Titelanwärtern.

Es ist aber nicht sicher, ob es in Italien zu einem dauerhaften Aufschwung kommt. Die Arbeitslosigkeit verharrt bisher bei über 10 Prozent, und die Staatsverschuldung ist gigantisch. Draghis Reformkurs sollte noch jahrelang weitergeführt werden; spätestens 2023 dürfte der vormalige Präsident der Europäischen Zentralbank jedoch abtreten. Es ist zu befürchten, dass er abgelöst wird von einem Exponenten der Politikerklasse, die den Niedergang Italiens in den vergangenen 30 Jahren herbeigeführt und verwaltet hat.