«Früher hatten wir in Bezug auf die Südanschlüsse der Neat mit Italien immer viele Dokumente und Vereinbarungen», sagte Doris Leuthard gestern in Rom. «Dank meinem Amtskollegen Graziano Delrio haben wir heute auch konkrete Resultate», bilanzierte die Schweizer Verkehrsministerin nach einem Treffen mit ihrem italienischen Pendant. Alsdann liess sich die Vorsteherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation gar zur Aussage hinreissen, sie hoffe, Delrio möge noch «möglichst viele Jahre im Amt bleiben».

Im Zusammenhang mit dem EU-Korridor von Rotterdam nach Genua, dessen Herzstück der Gotthard-Basistunnel bildet, bestehen in Italien in der Tat zahlreiche Baustellen. Aus Schweizer Sicht zentral ist vor allem der Ausbau der Anschlussstrecken über Domodossola, Luino und Chiasso zu den Terminals in Norditalien – sowie die Terminals als solche. Diverse Projekte werden von der Schweiz denn auch mitfinanziert. Hinzu kommt auf italienischer Seite – eine Milliardeninvestition – die Neubaustrecke durch das ligurische Küstengebirge von Tortona zum Hafen von Genua, der sogenannte «Terzo Valico». Die doppelspurige Hochgeschwindigkeitsstrecke ist 53 Kilometer lang; 37 Kilometer davon verlaufen in Tunnels. Die Eröffnung ist für 2021 vorgesehen.

Auch Umlade-Terminal deblockiert

Die Ausbauarbeiten auf italienischer Seite gingen «planmässig» voran, betonten gestern sowohl Leuthard als auch Delrio. Die meisten Anschlussstrecken, insbesondere jene zum wichtigen Umladeterminal Milano Smistamento, würden bis 2020 – also zur Eröffnung des Ceneri-Basistunnels – bereitstehen, versprach der italienische Verkehrsminister. Der rollenden Landstrasse für Sattelauflieger mit 4 Meter Höhe von Basel nach Mailand werde somit nichts im Wege stehen. Auch für den Terminal-Ausbau in Milano Smistamento zeigte sich Delrio optimistisch. Die Arbeiten könnten 2017 beginnen. Bisher blockierte die Standortgemeinde das Projekt mit einer Einsprache.

Im Zeitraffer: Mit Hochgeschwindigkeit durch den neuen Gotthard-Basistunnel.

Im Zeitraffer: Mit Hochgeschwindigkeit durch den neuen Gotthard-Basistunnel.

Doris Leuthard war bereits am Dienstag nach Rom gereist, wo sie auf Einladung Delrios an einem Symposium zum Gotthard teilnahm. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erörterten dabei die neuen Möglichkeiten, die sich dank dem Basistunnel und dem dadurch gestärkten Güterkorridor Rotterdam–Genua ergeben werden. Delrio bekräftigte gestern, dass es auch ein Ziel der italienischen Regierung sei, möglichst viel Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. Dank dem Gotthard-Basistunnel werde sich das Szenario in wenigen Jahren «radikal ändern». Ausserdem rückten die Schweiz und Italien dank der verbesserten Bahninfrastruktur auf beiden Seiten der Grenzen immer näher zusammen.