Pro und Kontra

Ist es gut, 44 Millionen Franken zu gewinnen?

m Samstag gehts im Lotto um satte 43,8 Millionen Franken. (Archiv)

m Samstag gehts im Lotto um satte 43,8 Millionen Franken. (Archiv)

Zum 42. Mal hintereinander erriet am Mittwoch niemand alle richtigen Zahlen im Schweizer Zahlen-Lotto. Am Samstag gehts im Lotto um satte 43,8 Millionen Franken. Der Jackpot erhöht sich in Richtung Rekordmarke: Nur einmal, am 23. August 2014, gewann ein Spieler mehr: 48,6 Millionen Franken.

Pro von Andreas Schaffner: «Ein Lottogewinner kann mit dem Geld viel bewirken»

Zugegeben: Viele Lotto-Millionäre haben es nicht geschafft, sich mit den gewonnenen Millionen ein schönes Leben einzurichten. Bei ihnen hiess es: «Wie gewonnen, so zerronnen!» Die vermeintlich Glücklichen landen schliesslich im Unglück, sprich im Alkoholkonsum oder in der Armut. Studien zeigen auch, dass Geld nicht glücklich macht, wenn es mehr ist, als zum täglichen Leben benötigt wird.

Der vernünftige Umgang mit Geld, besonders auch mit viel Geld, will also gelernt sein. Aber es gibt hierzulande sicher viele seriöse Institute und Berater, die Erfahrung haben mit solchen Kunden: Die Privatbanken in der Schweiz, sind genau auf diese Fragen spezialisiert. Die 1937 gegründete Interkantonale Landeslotterie – heute Swisslos genannt – hat in den letzten Jahren auch dazugelernt. Die Gewinner werden kaum noch in der Öffentlichkeit präsentiert. Das ist besser so: Keiner hat plötzlich so viele Freunde wie ein Lottogewinner. Manch ein verschollen geglaubter Schulkollege tauchte bei den Lotto-Millionären wieder auf.

Viel Geld, das heisst also nicht nur Spass und Völlerei. Sondern vor allem viel Verantwortung. Und hier kann auch angesetzt werden: Ein Lottogewinner kann nämlich mit seinem Geld viel bewirken. Von Spenden bis hin zu Investitionen in Unternehmen. Auch wenn das auf den ersten Blick naiv tönt: Es gibt sehr vernünftige Möglichkeiten, mit einem Millionengewinn umzugehen.

Das Beispiel, das ich hier gerne anführen will, stammt zwar nicht aus der Lotto-Welt, sondern aus dem Showbusiness: Daniel Küblböck. In der ersten Staffel der Casting-Sendung «Deutschland sucht den Superstar» sorgte er als quietschender Teenie mit schrillen Auftritten für Furore. Inzwischen hat sich der 31-Jährige zum erfolgreichen Solar-Unternehmer gemausert.

Küblböck hat investiert, als in Deutschland plötzlich die Energiewende eingebrochen ist und der Staat Milliarden in die Einspeisevergütung gebuttert hatte. Der Sänger baute mit dem Geld aus den Gagen Solardächer und machte Kasse. Inzwischen fliessen die staatlichen Subventionen zwar nicht mehr so hoch wie zu Beginn der Bonanza, aber der einst Belächelte lebt dennoch nicht schlecht davon.

Kontra von Etienne Wuillemin: Das grosse Glück? Nein, der direkte Sturz ins Verderben!

Die Vorstellung ist mehr als verlockend. 44 Millionen Franken, nur für mich!
Ein Leben im Rausch und ohne Kater. Ich kann mir alles leisten. Ich muss nie mehr arbeiten. Das grösste Glück auf Erden! Aber so ist das nicht. So funktioniert das Leben nicht. Wenn ich 44 Millionen gewinne, dann ist das gleichbedeutend mit dem Sturz ins Verderben.

Nach Abzug der Steuern bleiben knapp 30 Millionen. Das sind 100 Jahre lang jeden Monat 25 000 Franken. Ich könnte für ewig in die Ferien. Um die Welt reisen und wieder zurück. Einfach nach Lust und Laune tun und lassen, was auch immer ich will. Ich könnte mir ein Auto und ein Haus kaufen, Schmuck und schöne Kleider. Ich könnte regelmässig in den besten Restaurants verkehren. Müsste nie auf etwas verzichten. Die Verlockungen sind unendlich.

Das alles klingt nach Freiheit. Es ist aber das Gegenteil. Auf die Dauer fehlt ohne regelmässige Arbeit die Struktur im Leben. Das grosse Glück ist viel zu schnell aufgebraucht. Bald werden die schönsten Dinge normal und Gewohnheit. Ich selbst werde gleichzeitig faul und verwöhnt, wahrscheinlich arrogant und undankbar. Will ich so sein?
Und das soziale Umfeld? Ich kann die Entwurzelung nicht verhindern, egal wie fest ich mich dagegen wehre. Jeder weiss: Ich habe viel zu viel Geld. Jeder noch so entfernte Kollege hat die Erwartung, dass ich immer alles bezahle. Und ich selbst beginne mir einzureden, dass etwas anderes eigentlich doch auch ungerecht ist.

Mit dem vielen Geld würde ich theoretisch einer neuen sozialen Schicht angehören. Einer Schicht, die mir fremd ist. Einer Schicht, in der ich nie willkommen sein werde. Die Konsequenz: Egal, was ich tue und in welchem Umfeld ich mich fortan bewege, ich werde zum Aussenseiter, der sein Unglück mit Geld kompensieren muss.

Es bleibt eine einzige Möglichkeit, um den Gefahren zu entgehen. Ich sage niemandem etwas von meinem Millionen-Glück. Ich fresse die Freude in mich hinein. Aber will ich mich alleine freuen? Nur geteilte Freude ist doch echte Freude. Vielleicht könnte ich den Gewinn spenden. Doch dann plagen mich fortan immer diese Gedanken: Hätte ich das Geld nicht doch für mich einsetzen sollen? Diese Zerrissenheit will ich mir ersparen.

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