Raserunfall Schönenwerd
Ist dieser Amtsgerichtspräsident noch zu retten?

Schwer zu verstehen ist die Ankündigung des Amtsgerichtspräsidenten Pierino Orfei zum Auftakt des Raser-Prozesses: «Die erneuten Vorkommnisse spielen keine Rolle.» Zwei der drei Angeklagten waren letzte Woche erneut straffällig geworden.

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Der Prozess wegen des tödlichen Raserunfalls von Schönenwerd SO ist am Montag vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen SO fortgesetzt worden. Der Staatsanwalt wird die Strafanträge gegen die drei je 20-jährigen Angeklagten stellen.

Zwei der drei Angeklagten sitzen seit vergangener Woche wegen erneuter Verkehrsdelikten in Untersuchungshaft. «Ich stelle fest, dass die erneuten Vorkommnisse in diesem Prozess keine Rolle spielen», sagte Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei am Montag zu Beginn der Verhandlung: «Mehr sage ich dazu nicht.»

Erneut zu schnell gefahren

Ein Angeklagter türkischer Herkunft war am Donnerstagabend als Beifahrer in einem Auto gesessen, das an einem Autorennen beteiligt gewesen war. Die Polizei hatte in Trimbach SO innerorts zwei dicht aufeinander fahrende Autos mit Tempo 102 und 98 geblitzt.

Ein weiterer Angeklagter wurde am Freitag nach Hinweisen aus der Bevölkerung festgenommen. Der Kroate soll trotz Entzugs des Führerausweises mit dem Auto in Schönenwerd SO herumgefahren sein.

Der dritte Angeklagte hatte sich seit dem Unfall nichts zu Schulden kommen lassen. Der Grieche befindet sich derzeit auf freiem Fuss.

Anklage: vorsätzliche Tötung

Im Verlauf des Morgens hält der Staatsanwalt seine Plädoyers und gibt die Strafanträge bekannt. Danach tragen die Verteidiger ihre Plädoyers vor. Die drei Männer sind der vorsätzlicher Tötung sowie der vorsätzlich schweren Körperverletzung angeklagt.

Beim Raserunfall in Schönenwerd in der Nacht auf den 8. November 2008 war eine 21-jährige Schweizerin ums Leben gekommen. Sie sass auf dem Rücksitz eines korrekt fahrenden Autos, in welches das vorderste der Autos der Angeklagten hineinraste. Ein heute 61- jähriger Mann und seine 64-jährige Ehefrau wurden verletzt.

Zum Zeitpunkt des Unfalls um 1.40 Uhr herrschte dicker Nebel und Fahrbahn war feucht. Trotz dieser Verhältnisse hatten die drei Raser laut Staatsanwaltschaft beschlossen, «so schnell wie möglich» von Aarau nach Schönenwerd zu fahren.

(SDA/cls)