Pietro Supino machte gestern kein Geheimnis aus seinen Plänen: «Ich interessiere mich seit zehn Jahren für die ‹Basler Zeitung›», sagte er an der Bilanzmedienkonferenz am Hauptsitz seines Verlags Tamedia in Zürich. Regelmässig führe er deshalb Gespräche mit deren Chef, Alt-SVP-Bundesrat und Verleger Christoph Blocher. Nicht bestätigen wollte der Tamedia-Verwaltungsratspräsident allerdings, dass die Verhandlungen unmittelbar vor dem Abschluss stehen. Basierend auf mehreren gut unterrichteten und voneinander unabhängigen Quellen, hatte darüber die «Schweiz am Wochenende» berichtet. Gemäss einer Quelle soll sogar bereits Mitte Februar Einigkeit erzielt worden sein.

Tamedia-Mantel auch in Basel?

Im Raum steht, dass Blocher für die «BaZ» nebst einem zweistelligen Millionenbetrag auch das «Tagblatt der Stadt Zürich» erhält. Der Erwerb des Gratisanzeigers entspräche der neuen Strategie des 77-Jährigen: Seit vergangenem August hält er eine Vielzahl von Wochenblättern, die in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet gratis in die Haushalte verteilt werden.

«Die ‹Basler Zeitung› würde sehr gut zu unserem Konzern passen», bekräftigte Tamedia-Chef Supino sein Ziel vor den Medien. «Erst recht nach der Umsetzung des ‹Projektes 2020›.» So nennt Tamedia das schwierige Unterfangen, trotz wegbrechender Inserateeinnahmen auch in Zukunft Qualitätszeitungen herausbringen zu wollen.

Somm informiert Mitarbeiter

Im Rahmen des «Projekts 2020» hat der Verlag auf Anfang 2018 all seine überregionalen Redaktionen zusammengelegt. Seither schreiben Journalistinnen und Journalisten in sogenannten Kompetenzzentren für einst so unterschiedliche Blätter wie den «Tages-Anzeiger», die «Berner Zeitung» und die «Zürichsee-Zeitung». Und künftig auch für die «Basler Zeitung»?

«BaZ»-Chefredaktor und Mitinhaber Markus Somm jedenfalls informierte seine Mitarbeiter am Montag bei einem Rundgang durch die Redaktion darüber, dass die Zeitung noch in dieser Woche verkauft werde. Dies berichtete gestern Radio SRF im «Regionaljournal Basel». Recherchen der «Nordwestschweiz» bestätigen den Sachverhalt. Demnach soll Somm auch gesagt haben: «Alles, was die ‹Schweiz am Wochenende› schrieb, ist zutreffend.» Das hiesse: Die «BaZ»-Spitze um Blocher, Somm und den dritten Besitzer und Verwaltungsrat
Rolf Bollmann hat sich mit Tamedia geeinigt. Und damit nicht mit AZ Medien, die laut SRF ebenfalls ein Angebot abgaben. Verleger Peter Wanner, der auch die «Nordwestschweiz» herausgibt, wollte die Gerüchte nicht kommentieren.

Auf Anfrage der «Nordwestschweiz» wollte Somm gestern Abend keine Stellung zu seinen Äusserungen vor der eigenen Belegschaft nehmen. «Kein Kommentar», schrieb er per E-Mail. «Es gilt, was wir am Freitag kommuniziert haben.» Auch Blocher verschickte auf Anfrage lapidar noch einmal dieselbe Nachricht, die Bollmann vor fünf Tagen ebenfalls schriftlich der «Schweiz am Wochenende» geschickt hatte: «Wie bekannt, interessieren sich
seit längerer Zeit verschiedene Verlage für die ‹Basler Zeitung›. Darum finden auch immer wieder diesbezügliche Gespräche statt, die aber ergebnislos verliefen. Ihre Verlautbarung ist tatsachenwidrig.»

Abbau nicht ausgeschlossen

Ob der Deal tatsächlich unter Dach und Fach ist, bleibt also unklar. Tamedia-Kommunikationschef Christoph Zimmer bekräftigte gestern am späten Abend noch einmal, was Supino und CEO Christoph Tonini bereits am Vormittag erklärt hatten: «Tamedia hat bisher keinen Vertrag über den Kauf der ‹Basler Zeitung› abgeschlossen».

Im Dunkeln liegt somit auch das Motiv Somms, der mit seiner offensichtlich weder mit Blocher noch mit Bollmann abgesprochenen Mitarbeiterinformation vorgeprescht ist. Handelt es sich um einen verzweifelten Versuch, den Verkauf der «BaZ» im letzten Moment doch noch zu verhindern? Dies ergäbe gewissen Sinn, liegt es doch auf der Hand, dass Somms Tage unter Tamedia-Herrschaft gezählt wären. Die neuen Besitzer wählten für ihre «BaZ» mit Bestimmtheit eine neue Führungsriege, die den politischen Kurswechsel nach aussen verkörpert. Mit der alten «BaZ» würde man wohl möglichst wenig zu tun haben wollen – schliesslich verlor das Blatt mit dem Rechtskurs unter Somm und Blocher fast die Hälfte seiner Auflage. Entsprechend fürchtet man sich auf der «BaZ»-Redaktion nun mehr denn je vor einer Massenentlassung.

Diese Furcht teilen die Basler Journalisten mit Tamedia-Mitarbeitern. Deren CEO Tonini nämlich nahm gestern das im letzten Sommer abgegebene Versprechen zurück, das «Projekt 2020» werde ohne Entlassungen umgesetzt. Da die natürliche Fluktuation nach wie vor bloss vier Prozent betrage, seien Entlassungen nicht mehr ausgeschlossen, sagte er. Im Klartext: Anders als erhofft haben nicht genügend Journalisten von sich aus gekündigt.