Pädagoge Jürg Jegge
Ist der Missbrauchsfall Jegge wirklich verjährt? Justiz ermittelt und weiteres Opfer meldet sich

Die Staatsanwaltschaft Zürich prüft, ob die vom Pädagogen Jürg Jegge begangenen Missbräuche an Minderjährigen wirklich verjährt sind. Mittlerweile wird ein dritter Fall bekannt. Auch die Zürcher Bildungsdirektion will den Fall aufarbeiten.

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Der bekannte Pädagoge Jürg Jegge hat eine etwas andere Sicht auf die Dinge. (Archivbild)

Der bekannte Pädagoge Jürg Jegge hat eine etwas andere Sicht auf die Dinge. (Archivbild)

Keystone/STR

Die Staatsanwaltschaft Zürich hat laut mehreren Sonntagszeitungen eine Untersuchung im Fall Jürg Jegge (74) eröffnet. Dies nachdem mehrere mutmassliche Opfer Missbrauchsvorwürfe gegen den Starpädagogen erhoben hatten. Juristisch können die bisher bekannten Opfer Jegge nicht mehr belangen. Die Übergriffe sind verjährt.

Trotzdem ermittelt jetzt die Justiz. Corinne Bouvard, Sprecherin der Zürcher Staatsanwaltschaft, bestätigt gegenüber dem SonntagsBlick: «Wir haben am Freitag ein Vorabklärungsverfahren eingeleitet und Ermittlungen in Auftrag gegeben.» Details will Bouvard nicht preisgeben. «Zum Gegenstand der Untersuchungen werden keine Auskünfte erteilt», sagt sie. Wahrscheinlich ist, dass die Ermittler prüfen, ob sich Jegge auch nach 1987 an Kindern vergriffen hat – dann könnten die Taten strafrechtlich verfolgt werden. Jegge selbst streitet ab, dass es weitere Fälle gibt.

Bildungsdirektorin lässt Fall Jegge untersuchen

Die Enthüllungen rund um Jürg Jegge haben Folgen in der Zürcher Schule: Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (58, CVP) lässt den Fall moralisch aufarbeiten, selbst wenn die Missbrauchsfälle juristisch gesehen verjährt sind. «Wir haben hier auch eine moralische Verantwortung», sagt sie im Interview mit SonntagsBlick. Missbrauchsopfer bräuchten manchmal Jahrzehnte, um sich zu öffnen. «Gerade wenn das Abhängigkeitsverhältnis zum Täter fortdauert, sind Missbrauchsopfer oft zum Schweigen gezwungen und haben auch im Erwachsenenalter kaum Handlungsspielraum.» Diesem Umstand müsse die Gesellschaft Rechnung tragen.

Bruder von Markus Zangger outet sich als weiteres Jegge-Opfer

Daniel Zangger (62), der Bruder von Buchautor Markus Zangger, war ebenfalls ein Opfer von Pädo-Pädagoge Jürg Jegge. Gegenüber SonntagsBlick schildert er erstmals öffentlich, was er als Schüler Jegges erlebte. Im Gegensatz zu seinem Bruder fällt es ihm immer noch schwer, über die Erlebnisse von damals zu sprechen. Viele Erinnerungen kann er noch nicht in Worte fassen, wie er gegenüber SonntagsBlick sagt. Ein Bild hat sich ihm eingebrannt: «Jegge lud mich zu sich in seine Wohnung ein, wo ich mich auf sein Bett legen musste. Dann fasste er mich überall an.» Mit Weisswein machte Jegge sein Opfer gefügig. «Die sexuellen Übergriffe – getarnt als Therapie – haben sich ins Endlose gesteigert.» Um sein Opfer zum Schweigen zu bringen, manipulierte Jegge es auch psychisch: «Er hat mir eingebläut, dass ich von diesen Sitzungen nichts erzählen solle.» Zangger liessen die Ereignisse nie los: Beziehungen scheiterten, erst spät fasste er im Arbeitsleben Tritt. «Ich denke schon, dass Jürg Jegge mein Leben zerstört hat», sagt er im SonntagsBlick.

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