WEF 2014
Ist das WEF zu Gast, heisst es: Bitte lächeln, ihr Davoser!

Wer nach Davos kommt soll sich als Gast fühlen, da hat WEF-Gründer Klaus Schwab recht. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Konferenz der Superlative Jahr für Jahr wiederkehrt. Aber: Untertanen der WEF-Teilnehmer sind die Davoser beileibe nicht.

Christian Dorer
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Die Aussicht vom Luxushotel Intercontinental auf Davos

Die Aussicht vom Luxushotel Intercontinental auf Davos

Christian Dorer
az-Chefredaktor Christian Dorer

az-Chefredaktor Christian Dorer

Nächste Woche steht die Schweiz im Fokus der Weltöffentlichkeit: In Davos treffen sich 2500 Entscheidungsträger zum 44. World Economic Forum, darunter fünfzig Staatschefs. Und in Montreux findet die Syrien-Konferenz statt. Andere Länder würden viel dafür geben, damit sie Austragungsort sein dürften. Umso stärker hat da die Kritik von WEF-Gründer Klaus Schwab an Davos eingeschlagen.

In der "Schweiz am Sonntag" sagte er: "Die Gastfreundschaft hat leider nicht die ganze Bevölkerung durchdrungen." Jedes Jahr gebe es zahlreiche negative Rückmeldungen der WEF-Teilnehmer. Wer nach Davos komme, sollte sich als Gast fühlen - "und nicht nur als Milchkuh". Schwab selber ist zwei Mal derart unfreundlich behandelt worden, dass er als erstmaliger Gast sogleich wieder abgereist wäre.

Ein Tor der Davoser, der den WEF-Chef nicht erkannt hat! Viel geschickter fielen aber auch die offiziellen Reaktionen nicht aus. Sie bestanden vor allem aus Dementi und Abwiegeln. Dazu passt der Skandal, der sich im "Steigenberger Belvédère" zugetragen hat: Auf einer Rechnung für reiche Russen stand aus Versehen "Scheiss Kapitalisten". Statt dass das Fünfstern-Hotel den fehlbaren Angestellten fristlos feuerte, entschuldigte es sich mit einer wenig glaubwürdigen Ausflucht. Immerhin wurde in Davos das Problem der überrissenen Preise erkannt: Ein Label kennzeichnet künftig Betriebe, die faire Preise verlangen.

Klar, während des WEF herrscht Ausnahmezustand. Sozusagen WK-Feeling auf internationalem Niveau: CEOs, die sonst nur in den besten Suiten residieren, sind froh, wenn sie irgendeine Absteige finden. Staatschefs, die sonst nur in Limousinen verkehren, kämpfen sich zu Fuss durch Schnee und Verkehrschaos. Auch das macht den viel beschworenen Geist von Davos aus. Und ja: Tausende Angestellte machen einen hervorragenden Job. Leider aber kann eine Minderheit einen Ruf zerstören. Deshalb hat Schwab Recht, wenn er Klartext redet: Selbst ein Milliardär lässt sich nicht gern abzocken und erst recht nicht unfreundlich behandeln.

Davos unterschätzt die Wirkung des WEF. Es ist wie mit allem im Leben - dem tollen Job, dem schnellen Auto, der lieben Partnerin: Mit den Jahren sinkt die Wertschätzung und steigt der Ärger über Details. Die Davoser stören sich an Lärm, Chaos und Stacheldraht. Sie sehen aber zu wenig, dass wegen des WEF internationale Hotelketten nach Davos gekommen sind - und wiederum neue Gäste und Kongresse anlocken.

In Schwabs Schublade liegen Angebote von Orten, die das WEF mit Handkuss übernähmen. Weil sie uns darum beneiden, dass die wichtigsten Staatslenker, Firmenchefs, NGO- und Medienvertreter Jahr für Jahr in die Schweiz reisen. Nur 2002 fand das WEF nicht in Davos statt. Sondern in New York. Offiziell aus Solidarität nach 9/11. Inoffiziell, um zu zeigen, dass es auch ohne Davos geht. Vielleicht braucht es wieder einmal einen solchen Schuss vor den Bug.

Gleichzeitig aber müssten einige WEF-Teilnehmer vom hohen Ross steigen und sich nicht so aufführen, als seien die Davoser ihre Untertanen.