KMU-Forum
Investieren und das Resultat nutzen

Der rege Austausch mit den Volksschulen und den Universitäten macht die Fachhochschule Nordwestschweiz zu einem wichtigen Glied in der Bildungskette. Davon profitieren nicht zuletzt die KMU.

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Richard Bührer

Richard Bührer

bz Basellandschaftliche Zeitung

Ueli Frei

Investition in Kampfflugzeuge oder Bildung?

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wollen einerseits tiefe Steuern, andererseits gut ausgebildete Fachleute. «Das beisst sich, in der Tat», sagte Christian Miesch am Donnerstag am Rande des KMU-Forums in Läufelfingen. Deshalb gelte es, die Steuergelder in der Bildung gezielt zu investieren.

«Die Bildung ist unser wichtigster Rohstoff», ergänzte Andreas Schneider, Präsident der Wirtschaftskammer Baselland. Allerdings müsse die Berufsausbildung über eine Lehre die gleiche finanzielle Unterstützung erhalten wie eine akademische Laufbahn. Heute kostet die Ausbildung zum Schreinermeister den Kandidaten rund sechs Mal mehr als einen Medizinstudenten. «Dieses Verhältnis stimmt nicht», hielt Schneider fest. Seit 1994 forderte daher der Schweizerische Gewerbeverband die Gleichstellung der Bildungswege. Erst 2006 floss die Forderung in den Bildungsartikel der Bundesverfassung ein.

Für Richard Bührer, Direktionspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz, ist der Einsatz von Steuergeldern eine Frage von Prioritäten. «Kampfflugzeuge, Steuersenkungen oder Bildung», sei eine Frage, welche die Politiker zu beantworten hätten. Man könne zwar kurzfristig die Steuern senken, um den Konsum anzukurbeln, und damit die KMU unterstützen. Wenn aber gut ausgebildete Kaderleute fehlen, sei ihnen auf lange Sicht auch nicht geholfen. (UF)

«Es geht darum, die verschiedenen Talente so unkompliziert wie möglich zu fördern.» Richard Bührer, Direktionspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), überbrachte den rund 70 Teilnehmern des 3. KMU-Forums der Oberbaselbieter Gewerbevereine klare Botschaften nach Läufelfingen. Sein Ziel war, den KMU-Vertretern den Nutzen der FHNW zu verdeutlichen. «Das ‹Produzieren› von guten Absolventen ist unsere wichtigste Aufgabe», erklärte Bührer.

FHNW soll Unternehmertum fördern

Die Fachhochschulen seien angehalten, das Unternehmertum zu fördern. Klares Ziel sei deshalb, dass FH-Absolventen in den Unternehmen so schnell als möglich Wertschöpfung erzielen. Dank ihrer neun Sparten könne die FHNW die ganze unternehmerische Wertschöpfungskette thematisieren.

Die FHNW pflege aber auch einen regen Austausch mit den Volksschulen. Denn um den aktuellen Mangel an Ingenieuren abzubauen, brauchen die Schulabgänger gute mathematische Kenntnisse. Heute ist es möglich, die Karriere mit einer Berufslehre zu starten, um alsdann über die Berufsmatur zum Fachhochschulstudium zu gelangen. Über die so genannte «Passerelle» sei sogar der Übertritt an eine Universität möglich.

Fachhochschulen sind aber auch wichtige Glieder in der Innovationskette. Auf Basis der Grundlagenforschung der Universitäten betreiben sie anwendungsorientierte Forschung bis zur Entwicklung marktfähiger Produkte. Da die Schweizer Fachhochschulen über Steuergelder finanziert werden, müssen sie einen Beitrag an die Innovationsfähigkeit leisten, sagte Bührer.

Grundausbildung allein reicht nicht

SVP-Nationalrat Christian Miesch verglich das Wirken der KMU mit einem Fussballspiel. Bei der Bildung müsse die Wirtschaft am Ball bleiben. «90 Minuten bedeuten allenfalls die Grundausbildung.» Im Berufsleben reiche dies für einen Platz auf der Ersatzbank. Dank ihrer Innovationskraft sei die Schweiz am WEF 2008 als wettbewerbsstärkste Nation ausgezeichnet worden.

Dabei wurden speziell die hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie für die Bildung erwähnt. 2008 investierten beispielsweise die Trägerkantone Baselland, Basel-Stadt, Aargau und Solothurn 354 Millionen Franken in die FHNW. Knapp 180 Millionen an Erträgen habe sie über Forschungsaufträge und Bundesgelder wieder eingespielt, erklärte Richard Bührer.

«Als Wirtschafts-Spieler müssen wir uns fit halten», mahnte Miesch seine Kolleginnen und Kollegen im Saal. Die Bildung könne und müsse der Wirtschaft in diesem Spiel helfen. Andererseits müsse auch die Wirtschaft auf die Bildung eingehen. «Investieren Sie gezielt und nutzen Sie die Resultate», riet Miesch den KMU-Vertretern.