Andreas Schweizer
«Investieren statt bloss anlegen»

Andreas Schweizer kandidiert in Brugg für das Amt des Stadtammanns.

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Andreas Schweizer

Andreas Schweizer

Aargauer Zeitung

Louis Probst

In Brugg ist am Wahltag vom 27. September nicht bloss der Stadtrat, sondern auch das Amt des Stadtammanns neu zu besetzen. Das, nachdem sich Rolf Alder nach 20 Jahren als vollamtlicher Stadtammann nicht mehr zur Verfügung stellen wird. Als offizielle Kandidaten bewerben sich Daniel Moser (FDP) und der parteilose Andreas Schweizer um das Amt des Stadtoberhauptes.

Zur Person

Andreas Schweizer hat Jahrgang 1973. Er ist in Schaffhausen aufgewachsen und seit 2004 in Brugg wohnhaft. Im vergangenen Frühjahr war er, damals noch auf der Liste der Grünen, in den Brugger Einwohnerrat nachgerückt Inzwischen politisiert er als Parteiloser. Andreas Schweizer ist im Bereich des Financial Consulting tätig.

Herr Schweizer, was hat Sie bewogen, für das Amt des Stadtammanns zu kandidieren?
Andreas Schweizer: Ich habe mich für eine Kandidatur entschieden, weil ich nicht mehr weiss, wen und welche Partei ich wählen soll. Es sollte ja nicht sein, dass mit politischen Mandaten Geld verdient wird. Ziel sollte es vielmehr sein, die Gesellschaft einen Schritt weiterzubringen.

Wollen Sie deshalb im Falle einer Wahl auf das durchaus ansehnliche Gehalt des Ammannns verzichten?
Schweizer: Ich habe ein klipp und klares Wahlprogramm. Wenn das erfüllt ist, kann man über eine Erfolgsprämie reden.

Wie sieht denn Ihr Programm aus?
Schweizer: Man muss die globale Situation betrachten. Im vergangenen Jahr ist es im Finanzbereich zu diversen Kollapsen gekommen, was zu einer exorbitanten Verschuldungsquote
führt . . .

. . . aber die Stadt Brugg steht finanziell vergleichsweise immer noch recht gut da?
Schweizer: Das stimmt überhaupt nicht. Bei den IBB sind 13 Millionen Franken weg. Bei der Stadt 3 Millionen Franken. Und es werden noch mehr.

Wo sehen Sie die direkten Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die Stadt Brugg?
Schweizer: Wenn, wegen der Problematik bei den Staatsanleihen, Wertberichtigungen im Rentensystem nötig werden, hat das direkte Folgen auf die Sozialkosten der Gemeinden. Da muss der erste Hebel angesetzt werden.

Wie denn ?
Schweizer: Durch die energetische Weiterentwicklung der Infrastruktur. Damit können enorm viele Jobs, vor allem für Leute generiert werden, die weniger qualifiziert sind. Und das Leben wird für alle billiger.

Das erfordert aber Investitionen. Wer soll die vornehmen?
Schweizer: Brugg verfügt über ein gutes Finanzpolster. Es wäre besser, diese Gelder nicht an der Börse, sondern in Sachanlagen zu investieren. Damit könnten Jobs für Leute geschaffen werden, die heute vom Sozialtransfer abhängig sind. Damit hätte man die Sachwerte und könnte durch die Erträge erst noch die Stadtkasse alimentieren. Zudem birgt die Arbeitslosigkeit sozialen Sprengstoff.

Haben Sie, als Financial Consultant, denn Ihren Glauben an Finanzanlagen verloren?
Schweizer: Ich weiss, wie die funktionieren. Und durch Kommissionen und versteckte Kickbacks für die Anlage öffentlicher Gelder verdienen einige schöne Summen. Ausserdem haben gewisse Papiere, obschon sie Triple A geratet sind, einen Abschreibungsbedarf von 70 Prozent. Deshalb, und weil die politischen Kräfte auf Besitzstandwahrung aus sind, unterbleiben nötige Investitionen.
Was haben Sie sonst noch in Ihrem politischen Programm?
Schweizer: Ich möchte die Abhängigkeit von fossiler Energie minimieren und Alternativen anbieten. Das schafft viele Jobs und garantiert günstige Energie. Meiner Meinung nach muss zudem der Marktplatz Brugg aufgewertet werden: Mehr Besucher durch mehr Events und damit mehr Umsatz für die Wirtschaft. Ich setze mich aber auch dafür ein, dass an den Schulen ein Klima der Lern-, Lehr- und Lebensfreude geschaffen wird. Tagesstrukturen sollten jedoch nur auf freiwilliger Basis eingeführt werden. Meiner Ansicht nach muss der Einwohnerrat - als Kontrollbehörde über den Stadtrat - aufgewertet werden. Grundsätzlich muss die politische Entscheidungsfindung viel schneller werden. Jetzt werden Sie sicher fragen, wie ich meine Chancen, gewählt zu werden, einschätze?

Bitte
Schweizer: Bei einem Prozent. Mein Wahlkampfbudget beträgt 6000 Franken. Inzwischen sind die aufgebraucht.

Andreas Schweizer stellt seine Gedanken und Ideen am 7. September, im Forum Odeon in Brugg vor. Beginn 19.30 Uhr.