Interview
Brief an den Bundesrat: Die oberste Erziehungsdirektorin setzt sich für Präsenzunterricht an Hochschulen ein

Studenten lernen wegen des Coronavirus seit bald einem Jahr fast nur noch daheim am Computer anstatt in Hörsälen und Seminarräumen. Silvia Steiner, Zürcher Regierungsrätin und Präsidentin der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), wendet sich jetzt mit einem Brief an den Bundesrat.

Kari Kälin
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Problematik des Fernunterrichts: EDK-Präsidentin Silvia Steiner.

Problematik des Fernunterrichts: EDK-Präsidentin Silvia Steiner.

Bild: Alexandra Wey/Keystone

Der Bundesrat entscheidet eventuell am 22. März über die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts. Reicht das als Perspektive?

Silvia Steiner: Ich bin froh, dass der Bundesrat eine Öffnung der Hochschulen ins Auge fasst. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren ist überzeugt, dass eine möglichst rasche Rückkehr zum Präsenzunterricht in Aussicht gestellt werden muss.

Können Sie einen Termin nennen?

Darüber entscheidet letztlich der Bundesrat. Wichtig ist, dass die Modalitäten für den Präsenzunterricht geklärt sind. Die Hochschulen sind es sich gewohnt, tragfähige Schutzkonzepte zu etablieren. In der kurzen Zeit, in der seit Ausbruch der Pandemie Präsenzunterricht stattfand, haben sich an den Hochschulen sehr wenige Studenten und Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt. Für gewisse Sequenzen, zum Beispiel im Labor, ist auch jetzt Präsenzunterricht möglich. Dort zeigt sich: Die Schutzkonzepte funktionieren.

Machen Sie jetzt Druck beim Bundesrat?

Wir sind im ständigen Austausch mit dem Bundesrat und werden unsere Anliegen nochmals in einem Brief verfassen und auf die Problematik des Fernunterrichts hinweisen. Für die Studenten bedeutet das grosse Entbehrungen. Es drohen Bildungslücken, denn der persönliche Austausch mit Dozenten und Mitstudenten ist zentral für den Lernfortschritt. Probleme sehe ich aber nicht nur bei der individuellen Bildungslaufbahn.

Gemäss Studien leiden die Jugendlichen am stärksten unter der Pandemie.

Genau. Dauerhaft allein am Bildschirm Podcasts zu hören, ist nicht zielführend. Das Studentenleben, die informellen Fachgespräche in der Kaffeepause, vielleicht sogar ein Auslandsemester: Das Coronavirus hat all das verunmöglicht. Wer sein Studium im letzten Sommer begonnen hat oder im kommenden Sommer abschliesst, ist besonders davon betroffen. Die Jugendlichen zahlen einen hohen Preis. Ich stelle aber fest, dass sie sich solidarisch verhalten und die Coronaregeln einhalten. Nachdem der Kanton Zürich die Maskenpflicht ab der 4. Primarklasse eingeführt hat, hat mir sogar ein Viertklässler geschrieben, er sei froh, dass er mit dem Maskentragen einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten könne.

Wird der Bundesrat den Wunsch der EDK erhören?

Bundespräsident und Bildungsminister Guy Parmelin zeigt grosses Verständnis für die Situation auf der Tertiärstufe. Die EDK hat den Bundesrat zudem mehrfach darauf hingewiesen, dass die Bildungsinstitutionen das Infektionsgeschehen nicht wesentlich beeinflussen. Letztlich liegt der Ball beim Gesamtbundesrat, der seine Entscheide aufgrund der epidemiologischen Lage fällt.

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