RTS
Internes Schreiben zum Sexismus-Skandal: SRG-Präsident Cina stärkt Marchand den Rücken

Die Führung der SRG steht nach neuen Erkenntnissen zum RTS-Skandal unter Druck, insbesondere deren Direktor Gilles Marchand. Doch Präsident Jean-Michel Cina glaubt nach wie vor an den ehemaligen RTS-Chef. Vorerst.

Benjamin Weinmann
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SRG-Präsident Jean-Michel Cina (links) und sein Direktor Gilles Marchand an einer Pressekonferenz 2018. (KEYSTONE/Anthony Anex)

SRG-Präsident Jean-Michel Cina (links) und sein Direktor Gilles Marchand an einer Pressekonferenz 2018. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Anthony Anex / KEYSTONE

SRG-Präsident Jean-Michel Cina hat sich im Zuge des RTS-Skandals an sein Personal gewandt. In einem Schreiben vom Dienstag stärkt Cina seinem Generaldirektor Gilles Marchand den Rücken. Der französische Text an die RTS-Belegschaft liegt CH Media vor. Der Verwaltungsrat sei überzeugt, schreibt Cina, dass Gilles Marchand und die gesamte SRG-Führung über den nötigen Willen und das Wertesystem verfügten, um mit allen Mitarbeitenden die bevorstehenden Herausforderungen zu meistern und die Zukunft mit neuem Elan anzugehen.

Cina glaubt also an Marchand. Und dies, obwohl Recherchen von «CH Media» und des «Tages-Anzeigers» vergangene Woche gezeigt haben, dass Marchand über konkrete Sexismus- und Mobbing-Fälle beim Westschweizer Fernsehen in seiner Zeit als RTS-Chef informiert war. Ein erzwungener Rücktritt Marchands hätte insofern kaum überrascht. Kommt hinzu, dass seit einigen Tagen zahlreiche Betroffene ihre Sexismus-Erfahrungen beim RTS via Instagram-Kanal publik machen (diese Zeitung berichtete).

Ergebnisse im Februar erwartet

Cinas Urteil könnte sich allerdings noch ändern. Die Fälle beim RTS hätten ihn «zutiefst berührt». Er spreche sein Mitgefühl allen Opfern aus. Jeder Fall sei ein Fall zu viel und es gelte eine Nulltoleranz. Die SRG habe einen Imageschaden erlitten. Um diesen zu begrenzen, habe man zusammen mit den Gewerkschaften eine unabhängige, externe Untersuchung für das RTS lanciert, aber auch für das Tessiner Fernsehen RSI, wo zuletzt ähnliche Probleme bekannt wurden. Ziel sei es, alle Berichte über Belästigung zu sichten und die Schuldigen zu bestrafen. Zudem habe man beschlossen, die Verantwortlichkeiten der beteiligten Abteilungen, Manager und Führungskräfte zu analysieren.

«Wir hoffen, dass die Ergebnisse dieser Untersuchungen im Februar im Verwaltungsrat diskutiert werden und dass wir ohne Tabus über die notwendigen Maßnahmen - zum Schutz unserer Angestellten - entscheiden können», schreibt Cina. Zu Spekulationen werde man sich bis dahin nicht äussern.