Wie Professor Peter Tschudi vom Institut für Hausarztmedizin an der Universität Basel erläuterte, wird bis 2016 die Hälfte der heute praktizierenden Hausärztinnen und Hausärzte in Pension gehen. Bis 2021 würden gar 75 Prozent nicht mehr berufstätig sein. Das bedeute: Bis in 7 Jahren würden rund 3200 und bis in 12 Jahren rund 4700 Ärztinnen und Ärztinnen in der Grundversorgung benötigt.

Studien der Universität Basel hätten ergeben, dass nur noch 10 Prozent aller Medizinstudierenden die Haushaltmedizin als Berufsziel angäben, sagte Tschudi. Die Mehrheit davon (60 bis 70 Prozent) würden Frauen sein. Der klassische Hausarzt von Morgen werde somit weiblich sein und in Teilpensen arbeiten.

Alle Versuche, den sich abzeichnenden Hausärztemangel zu stoppen seien auf politischer Ebene bisher gescheitert, stellt das Initiativkomitee fest. Es drohe eine Zweiklassenmedizin zwischen Privilegierten, die sich den Zugang zu einer der raren Hausarztpraxen erkaufen könnten. Alle anderen würden auf die Grundversorgung in Notfallstationen und Ambulatorien angewiesen sein.

Das ist der Hintergrund der Volksinitiative "Ja zur Hausarztmedizin". Sie ist das erste Grossprojekt des Berufsverbandes der Haus- und Kinderärzte Schweiz mit seinen 7000 Mitgliedern. Den Initiativtext hat Professor Heinrich Koller, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Justiz, ausgearbeitet.

Das Initiativkomitee ist ambitioniert. Es will bis am 1. April 2010 die nötigen 100'000 Unterschriften beibringen. Ohne Druck der Öffentlichkeit lasse sich im heute "zementierten" Gesundheitswesen kaum mehr etwas bewegen, sagte Koller.