Volksinitiativen
Initianten für Vaterschaftsurlaub sammelten Unterschriften im Internet

Für die Einführung eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs wurden erstmals in der Geschichte des Landes ein wesentlicher Teil der Unterschriften im Internet organisiert – mit Erfolg.

Dennis Bühler
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Die Initianten eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs sammeln die Unterschriften nicht auf der Strasse, sondern im Internet. (Symbolbild)

Die Initianten eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs sammeln die Unterschriften nicht auf der Strasse, sondern im Internet. (Symbolbild)

KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI

Der vorläufige Schluss- und Höhepunkt wird total analog sein: Heute Nachmittag treffen sich die Unterstützerinnen und Unterstützer der Volksinitiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub mit Dutzenden Kinderwagen in Bern. Schieben werden sie für einmal nicht schreiende Kinder, sondern stumme Kisten voller Unterschriftenbögen, die sie bei der Bundeskanzlei einreichen. Schon an Pfingsten konnte Adrian Wüthrich, der die Kampagne als Chef des Gewerkschaftsdachverbandes Travailsuisse anführt, verkünden: Die Initiative kommt mit mehr als 130 000 Unterschriften locker zustande.

Im Internet gesammelt

Erstmals in der Geschichte des Landes wurde ein wesentlicher Teil der Unterschriften im Internet organisiert. Über soziale Medien auf das Begehren aufmerksam gemacht, bestellten 59 600 Menschen online einen Unterschriftenbogen. Diesen erhielten sie per E-Mail geliefert, druckten ihn aus, unterzeichneten ihn und schickten ihn per Post in die Kampagnenzentrale. Etwa die Hälfte jener, die einen Unterschriftenbogen bestellt hatten, nahm den Aufwand auf sich: «Gut 28 000 Unterschriften erhielten wir zugeschickt», sagt Wüthrich. «Unser ursprüngliches Ziel von 20 000 Online-Unterschriften, das uns ziemlich mutig erschienen war, übertrumpften wir um fast 50 Prozent.»

Hinter dem Sammelerfolg steckt die im April 2016 gegründete Plattform «Wecollect» des erfahrenen Campaigners Daniel Graf, die bis anhin bei sieben Volksinitiativen und zwei Referenden eingesetzt wurde. «Wir konnten Menschen mobilisieren, die nie zuvor eine Initiative unterschrieben hatten», sagt er. Inzwischen werde die Plattform von mehr als 20 000 Menschen unterstützt, welche die Initianten auf neue Sammelaktionen hinweisen dürften.

Links und Rechts nutzbar

Seine Plattform sei für liberale, progressive Anliegen gedacht, sagt Graf. Unterschriftensammlungen via Internet seien jedoch nicht per se eine linke Sache. «Das Prinzip ist auch für konservative oder rechtspopulistische Anliegen nutzbar.» Tatsächlich betreibt die äussere rechte SVP-Flanke um Ulrich Schlüer seit einigen Monaten eine eigene Crowdfunding-Plattform.

Aber online only sei eine Unterschriftensammlung heute noch nicht zu stemmen, sagt Wüthrich. Erst müsse sich der Bundesrat endlich zur Akzeptanz der digitalen Unterschrift durchringen. In dieselbe Kerbe schlägt Graf: «Es darf doch nicht wahr sein, dass man heutzutage einen Drucker braucht, um seine Bürgerrechte wahrzunehmen!»

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