Grund dafür ist das Interview, das sie am Samstag vor einer Woche der «Samstagsrundschau» von SRF gab, wie die Zeitung «Schweiz am Sonntag» schreibt. «Wir stehen davor, ein Resultat präsentieren zu können», sagte sie zur Globallösung mit den USA. «Wir hoffen, demnächst am Ziel zu sein.» Das hat einzelne Bundesratsmitglieder massiv verärgert. Weil Widmer-Schlumpf noch am Freitag von allen Teilnehmern der Von-Wattenwyl-Gespräche absolute Geheimhaltung gegenüber Medien eingefordert hatte, wie mehrere Teilnehmer bestätigen. Das könnte nicht stillschweigend hingenommen werden, sagt ein hochrangiger Insider. Er bestätigt, dass Bundesratsmitglieder Widmer-Schlumpf damit konfrontieren wollen: «Es geht in diesem Fall ganz klar um Landesinteresse.»

Auch Parteien sind verärgert

Verärgert sind auch die Spitzen der Mitte-Rechts-Parteien. «Die Geheimhaltung, die sie von den anderen einforderte, hielt sie selbst nicht ein», sagt SVP-Präsident Toni Brunner. «Das ist gravierend.» Verschiedene Bundesratsmitglieder seien inzwischen «verwirrt und wissen nicht, was Sache ist», sagt Brunner. «Sie werden nicht informiert.»

BDP-Vizepräsident Lorenz Hess hingegen verteidigt Widmer-Schlumpf. Sie habe in der «Samstagsrundschau» «nichts Neues aus den Von-Wattenwyl-Gesprächen gesagt». Insider sagen, von einer Indiskretion könne nicht die Rede sein, da Widmer-Schlumpf im Dossier Steuerstreit federführend sei und selbst entscheide, was gesagt werden müsse. Zudem habe sie inhaltlich nichts gesagt. Bundesratssprecher André Simonazzi sagt, er habe keine Kenntnis von solchen Plänen. (rsn)