Patrizia Legnini

«Durga» heisst die Muttergöttin, die eine tamilische Gemeinschaft in ihrem neuen Tempel in Dürnten verehren möchte. Durga gilt als Herrin über Leben und Tod und verkörpert unter anderem Weisheit und Geduld. Viel Geduld müssen zurzeit auch die Tamilen beweisen, die zwischen Dürnten und Hinwil einen neuen Tempel eröffnen möchten. Die Eröffnungsfeier haben sie auf den 27. Januar festgelegt.

Dass dies klappt, bezweifelt der Dürntner Bausekretär Daniel Pfiffner: «Es müsste ein Wunder passieren, damit der Tempel rechtzeitig fertiggestellt werden kann.». Noch immer befinden sich die Räume im ehemaligen Lagerraum nämlich im Rohbau. Und weil das Gebäude an einer Kantonsstrasse liegt, bedarf es nebst der kommunalen Baubewilligung, die vorliegt, auch noch der Bewilligung vom Kanton - und genau diese steht noch aus. Deshalb konnte die Gemeinde die Baufreigabe noch nicht erteilen.

Langes Warten auf den Kanton

Sofern der Kanton das Projekt bewilligt, unterstützt der Dürnter Gemeinderat die Pläne für den Tempel. Um der tamilischen Gemeinschaft sein Wohlwollen gegenüber dem Projekt zu bekunden, hat Gemeindepräsident Hubert Rüegg im November selber an der rituellen Andacht teilgenommen, die im Rahmen der Grundsteinlegung stattfand. Auf die Bewilligung des Kantons wartet die tamilische «Sri Vishnuthurkkai Amman»-Gemeinschaft aber noch immer - und zwar seit Anfang September, als das Gesuch für die Umnutzung der Lagerhalle in ein religiöses Zentrum eingereicht wurde.

Grund für die Verzögerungen sind wasserpolizeiliche Bestimmungen. Weil ein Teil des Gebäudes im Gewässerabstandsbereich vom Dorfbach steht, muss die Hochwassersicherheit nachgewiesen werden. Aus dem gleichen Grund ist auch das Parkkonzept noch nicht bewilligt. Zudem liegen laut Pfiffner detaillierte Pläne für die Umnutzung der Lagerhalle erst seit November vor.

«Das lange Warten ist müssig», ärgert sich der Hinwiler Architekt und Bauleiter Fridolin Hösli, der für die Bereitstellung der Grundstrukturen im Gebäude verantwortlich ist. «Wenn wir so arbeiten würden wie der Kanton, würden wir von allen Seiten beschimpft.» Obwohl die definitive Baufreigabe noch aussteht, hat Hösli vor drei Wochen damit begonnen, eine Bodenheizung, neue Abwasserleitungen und eine neue Küche einzubauen und die Wände zu verputzen. Dies sei nicht bewilligungspflichtig, so Hösli. «Wir haben bis zur Eröffnung nur noch zwei Wochen Zeit und arbeiten wie verrückt.»

Arbeiter und Material aus Indien

Der Architekt steht mittendrin im Hauptaltar, der in der Mitte des grössten Raumes aufgebaut wurde und in dem dereinst die Figur der Muttergöttin stehen soll. Über dem goldfarben verzierten Portal thronen auf der Kuppel - ebenfalls ganz in Gold - mehrere Löwen: die Reittiere der Göttin Durga. Wie viele Götterfiguren und die anderen farbenfrohen Altäre mit ihren kleinen Türmchen, die an den Wänden des Raumes aufgebaut wurden, sind sie mit dem Schiff aus Indien nach Rotterdam transportiert und dort verladen worden. Neben mehreren einheimischen Handwerkern packen zurzeit auch acht aus Südindien eingeflogene Männer - ein Architekt und sieben Bauarbeiter - im Rohbau mit an.

Oberpriester Kurukkal, der unter seinem Pullover das traditionelle Priestergewand und auf dem Kopf einen orangefarbenen Turban trägt, ist klar, dass der Tempel Ende Januar eröffnet wird - ob mit oder ohne kantonale Bewilligung. Und selbst dann, wenn die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen sind. «Laut dem Hindu-Horoskop muss der Tempel im Januar eröffnet werden. Im Februar wärs nicht mehr ideal», sagt der bärtige Mann, der mit bürgerlichem Namen Thandayuthapanikkurukal Sarahanabavananthakurukkal heisst.

Während die rund 5000 indischen Hindus in der Schweiz eigene Kultur- und Sprachvereine, aber keine eigenen Tempel gründeten, eröffneten die rund 30 000 tamilischen Hindus seit den 1990er Jahren 19 Gotteshäuser. Auch Kurukkal hat 1994 in Adliswil einen der bekanntesten und grössten Tempel der Schweiz eröffnet und vor sechs Jahren noch einen zweiten errichtet. Unter anderem, weil die Räumlichkeiten in diesem zweiten Tempel inzwischen zu klein geworden sind, habe man sich entschieden, nach Dürnten umzuziehen, wo die Lage «perfekt» sei - unter anderem, weil das Gebäude sich in einem Tal und an einem Bach befindet. Für das Tempelfest ist das fliessende Wasser von besonderer Bedeutung.

Täglich sechs Gottesdienste

Kurukkal rechnet damit, dass am Freitagabend jeweils zwischen 100 und 150 Personen den Gottesdienst besuchen werden. An den übrigen Wochentagen werde sich die Zahl der Tempelbesucher auf zehn bis zwanzig belaufen. Sechs Gottesdienste pro Tag werden er und seine Hilfspriester im Hindu-Tempel abhalten. «Wir möchten hier niemanden stören, sondern in Ruhe unsere Religion und unsere Kultur ausleben», sagt Kurukkal. Wenn sich der Kanton nicht noch querstellt, kann der Priester im ersten Hindu-Tempel des Zürcher Oberlands bald seine Gemeinschaft begrüssen.