Atomstrom
In Zukunft für die ferne Zukunft ohne Atomstrom planen

Nationalrätin Anita Lachenmeier musste überlegen, um eine Antwort zu finden. Die Frage lautete: Weshalb scheint es in der betroffenen Nordwestschweiz keine Diskussionen über die laufende Suche des Bundes nach einem Atomendlager zu geben?

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Atom

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Toprak Yerguz

«Der Widerstand gegen neue Atomkraftwerke ist einfacher zu mobilisieren», hatte sie zuvor gesagt. Die Bewegung gegen Kaiseraugst habe dafür die Grundlage geschaffen.

Lachenmeier räumte ein, dass das Thema bisher noch nicht auf grosses Interesse gestossen sei: «Bevölkerung und Parlamente wissen eigentlich gar nichts darüber.» Der Baselbieter Regierung habe diesbezüglich sogar auf die Finger geklopft werden müssen, obwohl ein Verfassungsartikel sie dazu verpflichtet, gegen neue Kraftwerke oder Lager zu opponieren.

Dazu passt, dass die Veranstaltung zur Atomendlagersuche nicht von schweizerischer Seite, sondern vom Kreisverband des Bündnis 90/Die Grünen Lörrach organisiert wurde und vor zwei Dutzend Interessierten in Wyhlen stattgefunden hat.

Aus Lachenmeiers Sicht könne jedoch die Frage nach einem Endlager nicht unabhängig von der Frage über die Zukunft der Atomkraftwerke behandelt werden: «Die Kraftwerke produzieren tagtäglich neuen Abfall.» Zuerst müssten die Kraftwerke abgestellt werden, danach könne man über ein Lager diskutieren, denn eines sei ebenfalls klar: «Es ist unser Abfall, und wir müssen eine Lösung dafür finden.»

Sollte tatsächlich ein Endlager vor der Ausschaltung der Kraftwerke errichtet werden, bestünde die Gefahr, dass man weiterhin auf Atomkraft setzen werde, da ja eine Lösung für die Abfälle gefunden worden sei. Das sei aber nur eine Scheinlösung: Lachenmeier wies auf die Gefahren der Erdbewegungen hin. In einer Million Jahren, wofür die Lager konzipiert werden müssten, verwerfe sich die Erde um Distanzen, die niemals Sicherheit garantieren können. Selbst bei normalen Strassentunnels könne jeder die Probleme sehen, die das Gestein beim Bohren stellt. Dieses unkalkulierbare Risiko dürfe späteren Generationen nicht zugemutet werden.

Lachenmeier erfuhr Unterstützung von Lüder Rosenhagen, der als deutsches Mitglied in der Begleitkommission für die Suche eines Endlagers Einsitz nimmt und ebenfalls sprach. Das Prinzip eines Endlagers - «Deckel drauf und Augen zu» - sei «eine sehr primitive Lösung des Problems.»

Rosenhagen brach bei seinen deutschen Landsleuten allerdings auch eine Lanze für die Schweizer Behörden. Dass die sechs ausgewählten Standorte, die in die engere Auswahl für ein Endlager gekommen sind, in der Nähe der deutschen Grenze liegen, sei kein Fall von bösem Willen. Vielmehr sei zurzeit unter Forschern verbreitet, dass sich Opalinuston am ehesten noch für ein Endlager eigne. Diese Gesteinsschicht verlaufe in der Schweiz nun mal zwischen Olten und Benken.

Wo sich im Untergrund der Opalinuston befindet, will Lachenmeier an der Oberfläche für Widerstand sorgen. An der Fraktionssitzung in Bern möchte sie sich mit Vertretern der betroffenen Kantone über das weitere Vorgehen absprechen.

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