Spitalhygiene

In Schweizer Spitälern holt man sich häufiger Infektionen als im Ausland

In der Schweiz erkranken jährlich rund 70000 Patienten an Spitalinfektionen — zirka 2000 Personen sterben daran. Foto: Chris Iseli

In der Schweiz erkranken jährlich rund 70000 Patienten an Spitalinfektionen — zirka 2000 Personen sterben daran. Foto: Chris Iseli

«Die Schweiz weist Infektionshäufigkeiten auf, die im Ländervergleich überdurchschnittlich hoch sind.» Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat höchstselbst. Der Grund: Andere Länder nehmen ihre Spitäler viel stärker in die Pflicht.

«Die Schweiz weist Infektionshäufigkeiten auf, die im Ländervergleich überdurchschnittlich hoch sind.» Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat höchstselbst, wie die „Schweiz am Sonntag“ recherchiert hat.

So ist es in seiner Antwort auf eine Frage von Nationalrat Thomas Hardegger (SP) zu lesen. Dabei berief sich der Bundesrat auf Zahlen, die Swissnoso erhoben hat. Diese misst für den Verein von Schweizer Spitälern und Kliniken ANQ, wie viele Infektionen nach Operationen auftreten. In einer Studie hatte Swissnoso die Schweizer Spitäler einem Ländervergleich unterzogen.

Darin schneiden diese schlecht ab. Ihre Infektionsraten liegen nach vielen Operationen über dem Schnitt von acht EU-Staaten. Nationalrat Hardegger sieht seine Befürchtungen bestätigt. «Das war zu erwarten. Andere Länder nehmen ihre Spitäler viel stärker in die Pflicht. In der Schweiz hingegen haben wir unsinnige Anreize», sagt Hardegger zu der «Schweiz am Sonntag».  

So würden Spitäler gar eine Leistung zusätzlich verrechnen dürfen, wenn sie Patienten wegen einer Spitalinfektion behandeln. Der ANQ selbst widerspricht der Lesart des Bundesrates. Der Schweiz werde im Ländervergleich ein zu schlechtes Zeugnis ausgestellt, so der ANQ-Präsident Thomas Straubhaar. Der Dachverband der Schweizerischen Patientenstellen zweifelt daran, dass die Schweiz im internationalen Vergleich schlecht dasteht.

«Wir kontrollieren gründlicher und kommen so auf höhere Raten», sagt Hygiene-Expertin Corinne Stutz der „Schweiz am Sonntag“. Dennoch müsse die Schweiz sich dringend verbessern. «Wir haben viele Infektionen, die wir vermeiden könnten.» Längst nicht alle anerkannten Standards würden eingehalten, wie etwa die Hände zu desinfizieren oder einen Mundschutz zu tragen.

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