Coronavirus

In manchen Zügen werden Handschuhe empfohlen – warum Experten trotzdem davon abraten

Richtig eingesetzt nützen sie etwas gegen Corona: Handschuhe. Experten raten aber eher zum gründlichen Händewaschen.

Richtig eingesetzt nützen sie etwas gegen Corona: Handschuhe. Experten raten aber eher zum gründlichen Händewaschen.

In Italien gehören Gummihandschuhe zur Maske dazu. In der Schweiz raten Experten und der Bund ab.

An die Masken in Tram und Bus hat man sich nach einer Woche gewöhnt. Stellt sich die Frage: Was kommt als nächstes? In Regionalzügen, die im Tessin und in der Lombardei (Tilo) verkehren hängt ein Plakat, auf dem auch Handschuhe empfohlen werden. Auf Englisch und Italienisch steht dort: «Immer Maske und Handschuhe tragen.» Die Tilo-Züge erreichen auf der alten Gotthardstrecke auch die Deutschschweiz, wo Handschuhe als Schutzmittel vor Corona nicht propagiert und kaum genutzt werden.

Plakat aus einem Tilo-Zug: Hier werden Handschuhe zusätzlich zu Masken empfohlen. Die Empfehlung gilt aber für Italien.

Plakat aus einem Tilo-Zug: Hier werden Handschuhe zusätzlich zu Masken empfohlen. Die Empfehlung gilt aber für Italien.

Der Bund empfiehlt die Handschuhe nicht

Im Tessin und vor allem in Italien sind die Handschuhe aber verbreitet. Da liegt die Vermutung nahe, dass es den Handschuhen wie den Masken gehen könnte. Zuerst nur in Italien im Einsatz, erreichten sie über das Tessin auch die Deutschweiz, wo sie nun im öffentlichen Verkehr obligatorisch sind. Das Bundesamt für Gesundheit warnt davor, dass Gummihandschuhe eine falsche Sicherheit vermitteln, und empfiehlt nicht, sie im Alltag zu benutzen. Sie böten keinen Schutz vor Ansteckung, heisst es auf der BAG-Website. Gummihandschuhe seien keine Alternative zum Verzicht auf das Händeschütteln oder zum Händewaschen.

Und wie beurteilt die wissenschaftliche Kommission, die den Bund während der Corona-Krise berät die Sache? Peter Wick von der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt sagt: «Handschuhe nützen, nur wenn Sie richtig eingesetzt werden.» Er macht ein Beispiel. Das Pflegepersonal in der Intensivstation Trage bei COVID-19-Patienten Handschuhe als zusätzlichen persönlichen Schutz in Kombination mit anderen Schutzausrüstungen wie zum Beispiel Masken. Das Pflegepersonal sei aber geschult, wie man mit den Handschuhen umgehen muss, zum Beispiel in der Frage, wann und wie sie gewechselt werden müssen.

Für die Bevölkerung sei die regelmässige Handhygiene ausreichend, sagt Wick. Er erinnert daran, dass das Coronavirus hauptsächlich über Tröpfchen übertragen werde. Wick sagt:

Wick bezeichnet Handschuhe daher als «eher kontraproduktiv».

Läuft es bei Handschuhen nun gleich wie bei den Masken?

Die Argumentation von EMPA-Experte Peter Wick erinnert an die anfängliche Debatte über die Masken. Auch dort hiess es zunächst, sie brächten nur etwas, wenn sie sachgemäss eingesetzt würden. Ansonsten seien sie sogar kontraproduktiv.

Der Unterschied sei hier aber, dass es zu den Handschuhen eine Alternative gebe, sagt Wick: regelmässiges und gründliches Händewaschen. «Die Inhalation von Aerosolen kann ich ausser mit einer korrekt getragenen Maske nicht kompensieren – ausser genügend Abstand.» Darum wird die Maske empfohlen, nicht aber Handschuhe.

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