Baselbiet

In jeder Gemeinde will die EBL eine Ladestation für Elektroautos aufstellen

Ladestation für Elektroautos (Symbolbild).

Ladestation für Elektroautos (Symbolbild).

Der Baselbieter Energieversorger EBL will das Baselbiet zum Pionier bei den Elektro-Autos machen: Bis 2018 soll es in jeder EBL-Gemeinde eine Elektro-Ladestation geben und im Raum Basel 10000 Elektroautos herumfahren.

Mindestens 10'000 Autos im Grossraum Basel sollen bald mit Elektro- statt Verbrennungsmotor unterwegs sein. Dies hat sich die Baselbieter Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) auf die Fahne geschrieben. Um dieses Ziel zu erreichen, will sie bis 2018 alle Gemeinden ihres Netzgebiets mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge ausrüsten. Eine Marktanalyse, welche GFS Bern im Auftrag der EBL machte, hat gezeigt, dass der Mangel an Strom-Tankstellen eines der grossen Hindernisse ist, ein Elektroauto in Betracht zu ziehen. Weiter will die EBL E-Mobilität mit Roadshows im Stil ihrer «100 jetzt!»-Programme in den Gemeinden fördern. In Sissach und Pratteln sollen diese Veranstaltungen noch in diesem Jahr stattfinden.

Dieses Schwerpunktprogramm Elektromobilität lancierte die EBL am Mittwoch im voll besetzten Oldtimermuseum Pantheon in Muttenz gemeinsam mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) als Strategiepartner.

E-Mobil als Lifestyle-Statussymbol

35 Prozent der in der Schweiz verbrauchten Energie dient der Fortbewegung. Davon entfallen bisher 96 Prozent auf Benzin, Diesel und Gas. Ein Drittel der Schweizer Emissionen des Treibhausgases CO2 entsteht im Verkehr. Deshalb werden die Emissionsvorschriften für Personenwagen in den nächsten Jahren massiv verschärft, was die Nachfrage nach E-Mobilen steigern dürfte.

«Die meisten legen eher kürzere Strecken zurück, vor allem allein und im Auto», stellte BLKB-CEO Beat Oberlin fest. «Diese Mobilität belastet die Umwelt.» Doch wollen EBL und Kantonalbank E-Mobilität nicht mit dem moralisch erhobenen Ökofinger propagieren, sondern über den Fahrspass: Die GFS-Studie zeigt, dass Lifestyle der entscheidende Treiber ist, sich ein E-Auto zuzulegen. Entsprechend wird die EBL an ihren Veranstaltungen Gelegenheit für Probefahrten bieten.

Heute hip, morgen notwendig

Auch wenn die Zahl von 10'000 E-Mobilen derzeit nach viel tönt, wird dies nicht reichen: «Will der Bundesrat seine CO2-Ziele für 2020 erreichen, müssen bis dahin in der Region Basel 20'000 Elektroautos unterwegs sein», erklärte EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner gestern im Oldtimermuseum Pantheon.
Doch erwartet eine im letzten September erstellte Studie, an der neben den Mobilitäts- und Umweltämtern beider Basel auch die Energielieferanten IWB, EBM und EBL beteiligt waren, zwischen 11'000 und 37'000 E-Fahrzeuge erst im Jahr 2030 in der Region Basel. Dies entspreche 5 bis 8 Prozent der dann zirkulierenden Autos in der Region. Erst nach 2030 werde der Bestand rasch zunehmen. In Basel-Stadt würden dannzumal 18,7 Gigawattstunden Strom verfahren, im Baselbiet maximal 47,3 Gigawattstunden. Dies entspreche 1,3 Prozent des heutigen Basler und 2,4 Prozent des Baselbieter Stromverbrauchs. Was also diese Studie für 2030 vorhersagt, müsste bereits zehn Jahre früher umgesetzt sein.

Florian Rothfuss vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart zeigte in seinem Vortrag, dass bis 2050 durch das städtische Bevölkerungswachstum sich der urbane Verkehr verdreifachen wird. Dies sei mit den heutigen Autos nicht mehr zu bewältigen. Seine Prognose: In 20 Jahren werde jedes neu verkaufte Fahrzeug zumindest teilelektrisch sein. Dies sei auch ein Fortschritt für die Gesundheit: Derzeit sterben in Deutschland – auch auf die Schweiz dürfte dies zutreffen – dreimal mehr Menschen an den Emissionen von Verbrennungsmotoren als durch Verkehrsunfälle.

Entwicklung mitgestalten

Sowohl Tobias Andrist als Geschäftsleitungsmitglied der EBL als auch Oberlin betonten an der vorgängigen Medienkonferenz, dass die gemeinsame Aktion zugunsten der Elektromobilität nicht unmittelbar neue Geschäftsfelder erschliesse. So gehe es für die EBL darum, bei einem sich abzeichnenden technologischen Trend von Anfang an vorne dabei zu sein. Zwar würde durch Elektroautos der Stromabsatz nicht wesentlich beeinflusst. Doch werden künftig die Netzstabilität auch durch die zu ladenden Autobatterien beeinflusst. Da sei es wichtig, Akteur der Entwicklung zu sein. Für die BLKB stehe die Nachhaltigkeit sowohl ökonomisch als auch ökologisch im Vordergrund, erklärte Oberlin. So erarbeite die BLKB ein Konzept, um bei ihren Mitarbeitenden und Kunden E-Mobilität zu fördern. Beide Unternehmen rüsten ihre Fahrzeugflotte auf Strom um.

Derzeit unterscheidet man vier Typen von Ladestationen: zu Hause, am Arbeitsplatz, auf Parkplätzen vor Läden (Shop & Charge) sowie Schnellade-Stationen. Die Ladestationen, welche die EBL in ihren Gemeinden installieren will, entsprechen dem Typ Shop & Charge. Zudem evaluieren EBL und BLKB gemeinsam, wo man in der Region eine Schnelllade-E-Tankstelle an einem verkehrsgünstig gelegenen Standort bauen könnte.

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