1. August
In globalisierter Welt das Schweizerische hegen und pflegen

In Uitikon musste kurzfristig die Rednerin ausgewechselt werden – Gemeinderat Fredy Lienhard sprang ein.

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Fredy Lienhard

Fredy Lienhard

Schweiz am Sonntag

Diesen 1. August wird Gemeinderat Fredy Lienhard nicht so schnell vergessen. Als Organisator der Feier auf dem Bauernhof der Familie Bosshard in Ringlikon erfuhr er zwei Tage zuvor Unerfreuliches: Die für die 1.-August-Rede vorgesehene Gemeinderätin Susanne Bereuter lag mit Grippe krank im Bett. «Einen spontanen Ersatz konnte ich nicht mehr finden», beschied er der vielköpfigen Festgemeinde, «nun müssen Sie mit mir vorlieb nehmen.»

Nun, es sei vorweggenommen, Lienhard machte seine Sache sehr gut und hielt eine Rede, die mit ironischen und selbstironischen Seitenhieben nicht geizte. Die Schweiz sei entstanden aus einem unglaublichen starken Willen zur Unabhängigkeit und Freiheit. Wir Schweizer hätten es geschafft, mit diesem Willen das Land mit seinen unterschiedlichen Regionen zu einer festen Einheit zusammenzufassen.

Dass die Schweiz heute wirtschaftliche Turbulenzen durchmache, würde gelegentlich zu einem Gefühl der Ohnmacht führen. Doch hätten unsere Vorfahren sich unvergleichlich mehr gefallen lassen müssen. Sie hätten über den tiefen Glauben an die Fähigkeit verfügt, die eigene Zukunft in die Hände nehmen zu können.

Heute, nach dem Fall der Berliner Mauer, habe die Schweiz ihre jahrhundertealte Rolle als Pufferstaat verloren. Mangels eines äusseren Ziels spalte sich die Schweiz im Innern. Die Schweiz müsse sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren neu positionieren. Stillzusitzen sei nicht die Lösung. Lienhard kam auf die EU zu sprechen, die es nicht als Reibebaum zur Selbstbestätigung brauche, sondern als natürlichen Partner. Denn immer weniger Probleme wie Finanzkrise, Umweltschutz, Klimawandel oder Energieversorgung liessen sich im Alleingang lösen.

Trotzdem wollten die Schweizerinnen und Schweizer nicht aufgehen in einem internationalen Einheitsbrei. Es sei wichtig, in einer globalisierten Welt das Schweizerische zu hegen und zu pflegen. Solange Schweizerinnen und Schweizer diesen Willen zur Unabhängigkeit und Freiheit hätten, werde die Schweiz ewig Bestand haben. (fuo)