1. St.Gallen

Seit 33 Jahren politisiert Paul Rechsteiner in Bern. Und auch mit 67 Jahren will es das SP-Urgestein noch einmal wissen. Zu einem Spaziergang dürfte seine Wiederwahl ins Stöckli aber nicht werden. Zum einen haftet ihm zunehmend ein Sesselkleber-Image an, zum anderen stehen mit Marcel Dobler (FDP) und Roland Büchel (SVP) zwei valable bürgerliche Herausforderer im Ring. Spannend könnte es werden, wenn sich die bürgerlichen Parteien in einem wahrscheinlichen zweiten Wahlgang auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Gelassen darf CVP-Mann Benedikt Würth dem Herbst entgegenblicken. Nach seiner souveränen Wahl im Mai als Nachfolger von Karin Keller-Sutter ist es kaum vorstellbar, dass der bestens vernetzte Politiker nicht bestätigt wird.

2. Aargau

Im Aargau werden mit dem Rücktritt von Philipp Müller (FDP) und Pascale Bruderer (SP) gleich beide Sitze frei. Während kaum Zweifel an der Wahl des FDP-Nationalrats Thierry Burkart bestehen, ist das Rennen um den zweiten Sitz offen. Obwohl auch GLP, BDP und EVP um den Sitz buhlen, stehen drei Politiker in der Poleposition: SVP-Mann Hansjörg Knecht hat die stärkste Aargauer Partei im Rücken, wird aber kaum Stimmen von ausserhalb erhalten. Als Alternative aus der Mitte und starke Frauenkandidatur präsentiert sich CVP-Kantonalpräsidentin Marianne Binder. Ihr könnte Polittalent Cédric Wermuth gefährlich werden. Ihm wird der Coup zugetraut, im stockbürgerlichen Aargau den SP-Sitz zu verteidigen.

3. Genf

Beide Genfer Ständeräte treten auf Ende Legislatur zurück. Eigentlich wäre dies die grosse Chance für die FDP, die links-grüne Vertretung abzulösen und einen der beiden Sitze zu ergattern. Doch die Partei leidet unter den Nachwehen der Affäre um Pierre Maudet. Der populäre FDP-Staatsrat steht im Verdacht der Vorteilsnahme und hat seine Partei in eine mittlere Krise gestürzt. FDP-Ständeratskandidat Hugues Hiltpold hat zwar Maudets Rücktritt gefordert, ob er dadurch die Gunst der Wähler zurückgewinnen kann, ist unklar – zumal mit SP-Nationalrat Carlo Sommaruga und der Grünen Vizepräsidentin Lisa Mazzone zwei aussichtsreiche Kandidaten antreten, um die beiden Sitze zu verteidigen.

4. Tessin

Von mangelndem Selbstbewusstsein kann keine Rede sein: FDP-Nationalrat Giovanni Merlini tritt im Oktober ausschliesslich für den freiwerdenden Ständeratssitz an. Verpasst er die Wahl, wird er Bundesbern den Rücken kehren müssen. Obwohl die FDP als stärkste Partei im Kanton den Sitz wohl verteidigen kann, darf die Kandidatur von Battista Ghiggia von der Lega dei Ticinesi nicht unterschätzt werden: Die Rechtspopulisten, die bereits zwei von sieben Nationalräten stellen, drängen ins Stöckli. Um den Sitzverlust an die Lega zu verhindern, hat die CVP dem langjährigen Ständerat Filippo Lombardi zum zweiten Mal eine Ausnahme für eine weitere Kandidatur erteilt.

5. Zürich

In Zürich gibt es kaum etwas zu holen. Die beiden bisherigen Ständeräte Daniel Jositsch (SP) und Ruedi Noser (FDP) treten wieder an. Früh erklärte die SVP, sie wolle einen der beiden Sitze erobern. Publizist Roger Köppel tourt zu diesem Zweck seit Wochen durch alle Gemeinden des Kantons. Ob dem bestgewählten Nationalrat der Schweiz der Sprung ins Stöckli gelingt, ist angesichts der Turbulenzen in der Partei und des polarisierenden Auftretens von Köppel aber mehr als fraglich. Auftrieb spürt die grünliberale Nationalrätin Tiana Moser. Ihre Partei gewann bei den Wahlen im Frühling neun Sitze. Die Klima- sowie die Frauenfrage könnten ihr in einem zweiten Wahlgang zum Erfolg verhelfen.

6. Zug

Während der Bundesratskandidat Peter Hegglin (CVP) seinen Ständeratssitz wohl ohne Mühe verteidigen kann, ist unklar, ob dies der FDP gelingen wird. Der einflussreiche Ständerat Joachim Eder (FDP) tritt im Herbst ab. Die Partei will den Sitz mit dem zurückgetretenen Regierungsrat Matthias Michel verteidigen. Doch die SVP gibt diesen nicht kampflos frei: Sie stellt mit Finanzdirektor Heinz Tännler einen Kandidaten, der bereits als möglicher Bundesrat gehandelt wurde. Da sich die bürgerlichen Parteien auf keine gemeinsame Kandidatur festlegen können, öffnet sich eine minime Chance für links. Trotzdem scheint bereits klar, dass die beiden Regierungsräte das Duell in einem zweiten Wahlgang untereinander werden ausfechten müssen.

7. Schwyz

Der Kanton Schwyz stellt als einziger heute zwei SVP-Ständeräte. Nun zieht sich Peter Föhn zurück, Alex Kuprecht tritt nochmals an – und mit ihm zwei Regierungsräte mit Potenzial. Finanzdirektor Kaspar Michel (FDP) machte sich in den letzten Jahren als Kämpfer für einen gerechteren Finanzausgleich schweizweit einen Namen. Auch die CVP wittert ihre grosse Chance, mit dem äusserst populären Regierungsrat Othmar Reichmuth den verloren gegangenen Ständeratssitz zurückzuerobern. Doch die SVP darf trotz aktueller Turbulenzen nicht abgeschrieben werden: Pirmin Schwander erzielte in den nationalen Wahlen jeweils Glanzresultate. Er ist der bestgewählte Politiker des Kantons.

8. Luzern

Der Rücktritt von Konrad Graber (CVP) hinterlässt eine Lücke: Der Ständerat sass in wichtigen Kommissionen und fungierte oft als Brückenbauer. Für die SVP eröffnet der Rücktritt hingegen eine der wenigen Chancen, ihre Macht im Ständerat auszubauen. Unternehmer und Nationalrat Franz Grüter politisiert gemässigt und geniesst in seinen Dossiers eine hohe Glaubwürdigkeit. Seine Wahl in den Ständerat erschweren zwei Faktoren: Einerseits könnte ihm der aggressive Politstil der SVP zum Verhängnis werden. Andererseits ist die CVP in Luzern immer noch stark verankert. Sie stellt mit Nationalrätin Andrea Gmür ebenfalls eine starke Kandidatur. Ein zweiter Wahlgang scheint unausweichlich.

9. Basel-Landschaft

Mit Eric Nussbaumer will die SP ihren freiwerdenden Ständeratssitz verteidigen. Der populäre SP-Nationalrat trifft allerdings auf starke Konkurrenz. Im bürgerlichen Kanton Basel-Landschaft konnten sich SVP und FDP auf eine gemeinsame Kandidatin einigen: FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger soll den Sitz ins bürgerliche Lager zurückholen, der zwölf Jahre lang in SP-Hand war. Nur steht ihr mit der früheren Nationalratspräsidentin Maya Graf eine starke Kandidatin gegenüber. Als Grüne und Co-Präsidentin des Frauendachverbands trifft Graf mit ihren Themen den Nerv der Zeit. Ob der Angriff der Bürgerlichen gelingt, hängt auch davon ab, ob sich SP und Grüne in einem zweiten Wahlgang wie abgemacht auf eine gemeinsame Kandidatur einigen können.

10. Wallis

Im Wallis könnte sich im Herbst Historisches ereignen: Die CVP läuft Gefahr, erstmals einen ihrer beiden Ständeratssitze an SP oder FDP zu verlieren. Zwar wird der bisherige Ständerat Beat Rieder seinen Sitz mühelos verteidigen können. Hingegen hat Jean-René Fourniers Rücktritt Begehrlichkeiten geweckt. Mit FDP-Nationalrat Philippe Nantermod und SP-Nationalrat Mathias Reynard treten zwei erfahrene Kandidaten an, die den CVP-Sitz des Unterwallis erobern könnten. Freilich wird die CVP den Sitz nicht kampflos aufgeben. Sie schickt Vizepräsidentin Marianne Maret ins Rennen. Auch im Wallis dürfte die Ständeratswahl deshalb erst im zweiten Durchgang entschieden werden.