Horrenbach-Buchen
In der SVP-Hochburg werden die Städter eher bemitleidet

Die Menschen im abgelegenen Chrachen Horrenbach-Buchen glauben, die Welt klarer zu sehen. Die 256-Seelen-Gemeinde ist der erste Halt auf unserer Reise zu den Partei-Hochburgen der Schweiz.

Stefan Schmid (Text und Fotos)
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Wer im idyllischen Horrenbach-Buchen lebt, wählt ziemlich sicher SVP.

Wer im idyllischen Horrenbach-Buchen lebt, wählt ziemlich sicher SVP.

Stefan Schmid

Nichts deutet am Anfang darauf hin, in welch gottverlassenes Nest wir da hinauffahren: Doch die frisch geteerte Kantonsstrasse wird bald schmaler. Die Fahrbahn holpriger. Vertrocknete Kuhfladen zieren den Strassenrand. Da und dort steht ein Heuballen in einer saftig grünen Wiese. Kühe suchen sich ein Schattenplätzchen am Waldrand. Der Siedlungsbrei rund um Thun gerät in Vergessenheit. Dafür rücken die Sieben Hengste, eine schroffe Bergkette, ins Sichtfeld. Autos können jetzt nicht mehr kreuzen. «Wer hier oben lebt, muss dafür gemacht sein», sagt später Andreas Fahrni, der parteilose Gemeinderat, der uns die Welt von Horrenbach-Buchen erklärt. Eine heile Welt, gewiss. Putzige Bauernhäuser stehen verträumt in einer perfekt gepflegten Landschaft. Wer sich hier nicht anpasst, fällt rasch auf. «Die Menschen sind konservativ», sagt Fahrni. Und arbeitsam. Wer faul ist, sei fehl am Platz. «Wer bei uns wohnt, muss die abgeschiedene Idylle lieben. Bei uns ist es meistens sehr still.»

Die Schule musste schliessen

Sommerserie Partei-Hochburgen

Die Bundeshausredaktion der «Nordwestschweiz» besucht im eidgenössischen Wahljahr die Hochburgen der sieben wichtigsten Parteien der Schweiz. Heute berichten wir aus der bernischen Bauerngemeinde Horrenbach-Buchen, wo 80 Prozent der Wählerschaft die SVP unterstützen. Die Gemeinde zählt 258 Einwohner, davon 3 Ausländer. Sie liegt auf rund 1000 Metern über Meer und lebt zu 60 Prozent von Geldern aus dem kantonalen Finanzausgleich. Horrenbach-Buchen hat 8 Gewerbe- und 36 Landwirtschaftsbetriebe. 94 Prozent der Bevölkerung stimmten Ja zur Masseneinwanderungsinitiative der SVP. Schweizer Rekord. Unser nächster Besuch ist in Fontenais im Jura, wo es besonders viele SP-Sympathisanten gibt.

Anzahl Ausländer: Drei

Horrenbach-Buchen, auf der Schattenseite des Zulgtals gelegen, hat kein Zuwanderungsproblem. Eher kämpft die Gemeinde gegen Abwanderung. Die Einwohnerzahl ist rückläufig. Letztes Jahr seien gleich zwei kinderreiche Familien weggezogen. Das habe man dann schon gespürt. Weil Bauland fehle, sei es schwierig, neue Familien anzulocken. Auch die Steuerlast sei zu hoch, um eine Sogwirkung zu entfalten. Die Ausländer kann man hier oben an einer Hand abzählen: Momentan wohnen ein Holländer, ein Portugiese und ein Deutscher in der Gemeinde. «Die fallen nicht auf, sie sind bestens integriert», sagt Gemeinderat Fahrni. Für Asylbewerber hingegen sei seine Gemeinde ungeeignet. «Die leben doch lieber in einer Stadt, wo sie unterhalten werden. Hier ist es langweilig. Und man muss chrampfen.»

Andreas Fahrni, Urs Wandfluh undJ oachim Hermann.

Andreas Fahrni, Urs Wandfluh undJ oachim Hermann.

Stefan Schmid

Auch der Zugewanderte wählt SVP

Mittlerweile sitzen wir zu dritt am Sitzungstisch im heimeligen Gemeindehaus. Mit Joachim Hermann hat sich der evangelische Dorfpfarrer zu uns gesellt. Ein Zugewanderter. Ursprünglich aus Deutschland, lebt Hermann seit 1973 in der Schweiz. Im Emmental fand er ein Stück heile Welt. Alles, was aus seiner Sicht die Schweiz sympathisch mache, sei hier mit Händen zu greifen. «Die Leute sind mutiger, sie heiraten schneller, die Familie zählt mehr», sagt der 65-Jährige in perfektem Schweizerdeutsch. Auch er outet sich rasch als grosser Anhänger der SVP. Es gehe nicht um Fremdenfeindlichkeit, aber die Schweiz sei voll. «Wir können nicht immer mehr Leute hineinlassen.» Das müsse der Bundesrat nun der EU klarmachen.

Es ist Mittag. Die drei Männer posieren zum Abschluss vor dem Gemeindehaus – für ein schönes Bild in der Zeitung. Wir verabschieden uns. Da und dort jätet eine Bauersfrau, Hundegebell, die Kirchenglocken läuten. Ansonsten Leere, Stille, Einsamkeit. Ab und an unterbrochen nur von ein paar Tagesausflüglern, die sich mit ihrem Mountainbike die schmale Strasse hochkämpfen. Die Hitze wird drückender. Die Autobahn bringt uns zurück in die Stadt. Wer dort oben lebt, muss dafür gemacht sein. Wie wahr.

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