Schweizer IS-Jäger
In der Schweizer Armee lernte er den Häuserkampf

Johan Cosar half seinen assyrischen Glaubensbrüdern im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Bei seiner Rückkehr wurde er verhaftet. Das Kriegshandwerk erlernte der 32-jährige Unteroffizier in der Schweiz.

Michael Wrase, Limassol
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Johan Cosar vor einer vom IS zerstörten Kirche in Syrien. Twitter

Johan Cosar vor einer vom IS zerstörten Kirche in Syrien. Twitter

Sofia Barbarani

Johan Cosar wollte stets in seine Heimat zurückkehren. «Zuvor muss ich aber meine humanitäre Mission als Verteidiger des von Dschihadisten bedrohten assyrischen Volkes zu Ende bringen», sagte der 32-jährige Unteroffizier der Schweizer Armee Ende Dezember in einem Skype-Interview mit der Zeitung «Le Temps». «Ich habe noch viele Projekte in meinem Kopf und will nicht vom Islamischen Staat getötet werden.»

Militärjustiz ermittelt

Johan Cosar kehrte Ende Februar in die Schweiz zurück und wurde in einem Zug in Basel vorläufig festgenommen und befragt. Anschliessend wurde Cosar wieder auf freien Fuss gesetzt. Untersuchungshaft wurde nicht beantragt. Der Sprecher der Militärjustiz, Tobias Kühne, bestätigte gestern Mittwoch eine entsprechende Meldung des Tessiner Fernsehens RSI. Dem Schweizer Syrien-Kämpfer drohen wegen ausländischen Militärdienstes bis zu drei Jahre Haft oder eine Busse. Darunter fallen nicht nur fremde Armeen, sondern auch andere bewaffnete Gruppierungen.
Genauere Angaben zu den Ermittlungen machte die Militärjustiz aus «ermittlungstaktischen Gründen» nicht. Es handle sich um das einzige solche Verfahren derzeit, liess sie verlauten. (sda)

Der Schweiz nicht geschadet

«Ich bin kein Dschihadist. Ich bekämpfe Terroristen, die uns den Kopf abschneiden wollen», betont Cosar, der «nichts zu verheimlichen hat» und grundsätzlich bereit ist, «alle Fragen zu beantworten». Er sei sich sicher, «dass meine Landsleute mich verstehen werden». Schliesslich habe er der Schweiz keinen Schaden zugefügt. Dennoch musste sich Cosar darüber im Klaren sein, dass die eidgenössische Militärjustiz bei seiner Rückkehr ein Verfahren gegen ihn eröffnen würde. Dem Führer der assyrischen Sotoro-Miliz wird «Schwächung der Wehrkraft» vorgeworfen. Ohne die Erlaubnis des Bundesrates hätte Cosar, der unter Kriegsnamen «Omid» (Hoffnung) gegen den IS kämpfte, nicht in fremden Armeen oder Milizen Militärdienst leisten dürfen.

Als Journalist nach Syrien gereist

Der aus St. Gallen stammende Schweizer war 2012 nach Syrien gereist. Er wollte dort als freier Journalist arbeiten. «Doch als ich sah, wie die Leute hier ihre Checkpoints organisierten und mit ihren Waffen umgingen, begann ich, ihnen Ratschläge zu geben. Ich verstand, dass sie dringend Hilfe brauchten», sagte Cosar einem Reporter der «Deutschen Welle». In seiner Zeit bei der Schweizer Armee hatte sich der assyrische Christ als Instruktor auf den Häuserkampf spezialisiert. Von seiner Erfahrung profitierten 1000 junge Assyrer, die «heute besser kämpfen als viele Kurden». «Dafür», so Cosar, «müssten sich meine Milizionäre eigentlich bei der Schweizer Armee bedanken.»

Für die vom IS bedrohten assyrischen Christen ist Johan Cosar ein Held. Die Nachricht von seiner Rückkehr und Festnahme in der Schweiz hat unter den Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft Empörung und Verunsicherung ausgelöst. «Bitte melde dich, es ist sehr dringend», twitterten seine assyrischen Follower. Sie warten offenbar auf eine Erklärung für Cosars möglicherweise überstürzte Abreise aus Syrien, für die es viele Gründe geben kann. Die assyrischen Christen sind untereinander zerstritten. Längst nicht alle halten es für richtig, dass sich die von Johan Cosar gegründete Sotoro-Miliz mit den linksgerichteten YPG-Kurden verbündet hatte.

Neben den Schergen des IS hatte auch der syrische Militärgeheimdienst den Cosar im Visier. Sein Vater war im August 2013 von Assads Geheimpolizei verhaftet und nach Damaskus verschleppt worden. Einige Wochen danach erhielt sein Sohn Johan einen Totenschein, bis heute aber nicht die Leiche.