Religionen

In der Schweiz gibt es so viele christliche Migrations-Gemeinden wie noch nie

Orthodoxe Christen feiern das Osterfest

Orthodoxe Christen feiern christliches Fest. (Symbolbild)

Orthodoxe Christen feiern das Osterfest

In der Schweiz boomen christliche Migrations-Gemeinden. Vor allem evangelische und orthodoxe Gläubige suchen nun nach Räumlichkeiten, wo sie ihre Religion ausüben können.

Eine Untersuchung des Pastoralsoziologischen Instituts in St. Gallen zeigt: Nie sind in hierzulande mehr christlicher Migrations-Gemeinden gegründet worden als in den letzten Jahren – vor allem evangelische Kirchen sowie Orthodoxe.

«Dieser Boom wird die Religionslandschaft so stark prägen, wie zuletzt zur Zeit der Reformation», sagt Studienautorin Judith Albisser gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Noch fristen die Migrations-Kirchen allerdings häufig ein Hinterhof-Dasein. Oft fehlt es ihnen am Nötigsten: An Geld und Räumlichkeiten.

Peter Wittwer, Pfarrer und Beirat im Verband orthodoxer Kirchen nimmt vorrangig die reformierten Kirchen in die Pflicht. «Sie haben grösseren Spielraum als Katholiken», sagt er. Gerade im Raum Zürich, wo sich die meisten Zuzüger niederlassen, würden sie über mehr Gebäude als die Katholiken verfügen und gleichzeitig stärker Mitglieder verlieren. Zudem seien sie bei der Gottesdienstgestaltung freier; dieser findet nicht zwingend am Sonntagmorgen statt.

Kamen in der Nachkriegszeit primär Italiener und Spanier hierher, öffnete der Fall des Eisernen Vorhangs die innereuropäische Migration und heute wachsen die Gemeinden von Syrern, Eritreern und Äthiopiern besonders rasch.

Noch tun sich die heimischen Kirchen mit der neuen Situation schwer. Das bestätigt auch Stephan Schwitter von der katholischen Migrantenseelsorge: «Akut ist es derzeit für die Eritreer und Äthiopier.»

Allerdings gibt es auch andere Beispiele. So kann die bulgarisch-orthodoxe Gemeinde ihre Liturgie in Witikon in der Maria Krönung. Zudem übernahmen syrische Orthodoxe in Arth SZ ein Kapuziner-Kloster und koptisch-orthodoxe Gläubige pachten neu in Grafstal ZH eine Kirche.

Für Pfarrerin Dinah Hess, Leiterin des Zentrums für Migrations-Kirchen steht fest: «Solche Kirchen tragen einen Beitrag zur Integration der Zugewanderten in den hiesigen Alltag bei.» Es sei daher an der Zeit, dass Landeskirchen und Behörden diese Leistungen «wertschätzen und grosszügig unterstützen», sagt Hess.

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