Wohnraum
In der Peripherie wird es eng – aber nicht wegen der Zuwanderung

Die Zuwanderung hat die Mieten in der Schweiz nicht zusätzlich verteuert. Denn der Trend zum Wohneigentum wirkt quasi als Ventil auf dem Markt. Vilemehr fehlt es an bezahlbarem Wohnraum – vor allem in und um die Grossstädte.

Rinaldo Tibolla
Merken
Drucken
Teilen
Umzugstermin: Günstiger Wohnraum ist allerdings schwer zu finden

Umzugstermin: Günstiger Wohnraum ist allerdings schwer zu finden

Keystone

Wenn es um Wohnungsknappheit und steigende Mieten geht, wird gemeinhin die Personenfreizügigkeit als Ursache angeführt. Die Zugewanderten würden den Einheimischen die Wohnungen wegnehmen. An den Grenchner Wohntagen hat Daniel Sager von Meta-Sys, Autor des Monitors Personenfreizügigkeit und Wohnungsmarkt 2005 bis 2012, die Frage, ob hohe Mieten die Folge der Personenfreizügigkeit seien, mit einem «Nein» beantwortet – zumindest gesamtschweizerisch.

Der Mietwohnungsmarkt seit 2005 zeige, dass die Marktmieten bis 2012 um 11,4 Prozent gestiegen seien. Im gleichen Zeitraum sei auch das Bruttoinlandprodukt in der Schweiz um 11,4 Prozent pro Kopf gewachsen. Dies decke sich also. Dass die zuwanderungsbedingte Zusatznachfrage die Mieten nicht stärker nach oben getrieben hat, ist laut Sager damit zu erklären, dass gleichzeitig viele Schweizer von einer Miet- in eine Eigentumswohnung wechselten. Das Wohneigentum habe somit gewissermassen als Ventil gewirkt.

Fokus auf drei Segmente

Regional betrachtet muss man laut Sager von einem «vielleicht» sprechen. In den urbanen Räumen sei das Wachstum der Mieten stärker gewesen. Das Wohneigentum habe dort nicht als Ventil ausgereicht. «Nehmen wir nur das Wachstum der Mieten und den Wachstumsbeitrag der ausländischen Haushalte, haben wir aber wieder keinen Zusammenhang mehr.»

Der Monitor konzentriert sich vor allem auf die Entwicklung der ausländischen Haushalte und ihren Einfluss auf den Wohnungsmarkt. Der Fokus wird dabei auf drei Marktsegmente gelegt: oberes, mittleres, unteres Preissegment. Generell zeigt der Monitor, dass 2012 der stärkste Zuwachs an ausländischen Mieterhaushalten in der Nordwestschweiz mit 4,6 und der Ostschweiz mit 4,7 Prozent zu verzeichnen war, ohne dass sich dies übermässig auf die Mietpreise ausgewirkt hätte.

Die Zeitreihe von 2005 bis 2012 erlaubt es, den Verlauf der Wohnknappheit im Mietbereich zu verfolgen. 2005 gab es in Genf und im Mittelland Ansätze einer angespannten Situation. Zwischen 2006 und 2007 kam das urbane Zentrum um Zürich dazu. Genf blieb lokal betroffen. 2008 weitete sich die Wohnungsknappheit auf den Agglomerationsraum von Zürich und Genf aus.

Von 2009 an wucherte die Knappheit von Mietwohnungen stetig. Laut Sager ist vor allem 2010 ein prekäres Jahr gewesen. Es schien, als ob das Angebot mit dem Wachstum und entsprechend der Nachfrage nicht mehr mithalten könne. Nur in der Nordwest- und der Ostschweiz wurden entspannte Situationen verzeichnet. Schon seit 2008 liess sich auch eine Ausdehnung der Knappheit auf die Innerschweiz feststellen.

Günstiger Wohnraum fehlt

Wie Sager betonte, blieb 2011 die Situation zwar stabil, die Wohnungsknappheit verschob sich aber in die Agglomerationen der urbanen Räume. 2012 habe sich dann einfach alles nochmals verstärkt. «Im Mittel ist der gesamte Wohnungsmarkt – mit Miet- und Eigentumswohnungen – knapp gewesen», sagte Sager mit Augenmerk auf Agglomerationen. Das Problem im Mietwohnungsmarkt zeichnet sich vor allem im unteren und mittleren Einkommens- und Preissegment ab.

In Zürich und Genf sei die Lage bereits seit drei Jahren sehr angespannt. Personen mit tiefem Budget hätten dort grosse Schwierigkeiten eine Wohnung zu finden. «Es sei denn, der genossenschaftliche Wohnungsbau springe da in die Bresche», so Sager. Bis sich die Lage in diesen Zentren jedoch verbessere, brauche es Zeit.