Igelmutter
In Basel predigt niemand Hass

Laut einer von der Weltwoche publik gemachten Studie des Bundes würden in Basel zwei Hassprediger ihr Unwesen treiben. «Falsch», behaupten die von der bz befragten Fachleute.

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Imame

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Loris Vernarelli

Seit dem Ja zur Anti-Minarett-Initiative steht das Tun und Treiben der muslimischen Gemeinschaft in der Schweiz im Fokus der Medien. Themen, die vor dem vergangenen 29. November eine Randnotiz wert gewesen wären, rangieren nun auf der Bedeutungsskala ganz oben. Jüngstes Beispiel dafür ist ein Artikel in der letzten Weltwoche mit dem Titel «Moschee als Dunkelkammer».

Gegenstand des Textes ist eine zwei Jahre alte «vertrauliche Imam-Studie», die vom Stab Sicherheitsausschuss des Bundesrates ausgearbeitet worden ist. Aus dieser geht hervor, dass «mindestens acht Imame in einem Dutzend Moscheen in der Schweiz eine radikale Auslegung des Islams predigen». Zwei Imame sollen unter anderem in Basel tätig sein.

Was ist ein Hassprediger überhaupt?

«Mich würde es überraschen, wenn zurzeit Hassprediger in der Region am Werk wären. Da würde ich gern konkrete Hinweise einsehen, bevor ich dem Weltwoche-Artikel glaube», sagt Lilo Roost Vischer, Koordinatorin für Religionsfragen im Auftrag der Abteilung Gleichstellung und Integration Basel-Stadt. Sie sei, auch als Leiterin des Runden Tischs der Religionen beider Basel, in regelmässigem Kontakt mit der Basler Muslim Kommission und einzelnen Moscheevereinen.

«Wenn aktiv zu Gewalt und Diskriminierung aufgerufen wird, würde uns das zu Ohren kommen. Man muss aber klären, was man unter einem Hassprediger versteht. Geht es um Aufruf zu Gewalt oder um das eindringliche Mahnen zu einem sittsamen Leben? Wenn diskriminierende Äusserungen gemacht werden, etwa gegen Homosexuelle, oder wenn das Gleichtstellungsgebot verletzt wird - egal von welchen religiösen Kreisen -, dann übersteigt das den Rahmen akzeptierter Frömmigkeit», betont Roost Vischer.

Sie erwähnt den umstrittenen deutschen Islamprediger Pierre Vogel, dem am Freitagabend die Einreise in die Schweiz verweigert worden ist. «Ich habe viele seiner Videos gesehen und kann sagen, dass er nicht zu Gewalt aufruft. Sondern zu einem frommen und sittsamen Leben ohne Alkohol, Gewalt und vorehelichen Geschlechtsverkehr.» Schwierig finde sie, dass Vogel, wie viele Strenggläubige und Internetprediger, seine Religion als die einzig wahre ansehe.

In der eigenen Religion verwurzelt zu sein und gleichzeitig andere Religionen und Nichtreligiöse zu respektieren, sei schwierig, aber genau das müsse man einfordern. Diese Themen seien Teil der Integrationsarbeit und der interreligiösen Gespräche. Mehr Kontakte zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen tragen laut Roost Vischer zur Verhinderung von religiösen Fanatikern bei.

«Die Diskussion ist wichtig»

Auch Cem Karatekin, Leiter der Moschee am Dreispitz, kann die Ergebnisse der Studie nicht bestätigen. Mit den beiden in Basel fest angestellten Imamen gebe es überhaupt keine Probleme, denn «sie haben Theologie studiert und wissen schon, was sie sagen». Für sogenannte Wanderprediger - sie sind nur eine gewisse Zeit in der Schweiz aktiv - will Karatekin nicht die Hand ins Feuer legen.

Hassprediger kenne er jedenfalls keine und sowieso würden diese nicht toleriert. Doch bevor es zu einer Anzeige komme, müsse der Imam zur Rede gestellt werden. «Die Diskussion ist wichtig, weil es vielleicht nur ein Missverständnis war», sagt der Moschee-Leiter. «Erst wenn wir sicher sind, dass seine Handlung effektiv dem Gesetz widerspricht, zeigen wir ihn an.»

Muhammad Hanel von der Gesellschaft Schweiz-Islamische Welt hat ebenfalls «keinerlei Kenntnis von Tätigkeiten in Basler Moscheen, die als ‹Hasspredigten› gelten könnten». Er finde es bedenklich, dass die Weltwoche einen Artikel über eine Studie verfasse, die zwei Jahre alt sei. Dieser sei ganz und gar nicht geeignet, die bitter nötige Objektivität in die aktuelle Islamdebatte zu bringen.

«Es wäre logisch, dass die Imam-Studie bisher nicht veröffentlicht wurde, weil sie wenig aussagekräftig ist und nichts Substantielles enthält», sagt Hanel. Andernfalls müsste nämlich die in diesem Falle offenbare Inaktivität des Staatsschutzes als grob fahrlässig bezeichnet werden.