Aarau

In Aarau sind diese Tannenbäumchen verboten

Passend oder Unpassend? Tannenbäumchen an der Aarauer Rathausgasse. hr

Tannenbäume Aarau

Passend oder Unpassend? Tannenbäumchen an der Aarauer Rathausgasse. hr

Geht es nach dem Aarauer Stadtbauamt, so passen die Tannenbäumchen vor dem Restaurant Platzhirsch an der Rathausgasse nicht in das Altstadtbild. Eine Räumung ist rechtlich aber nicht durchzusetzen.

Hermann Rauber

Was im Sommer noch als Posse in der Saure-Gurken-Zeit für
Gesprächstoff an Stammtischen sorgte, entwickelt sich immer mehr zu einer handfesten Seldwylerei. Es geht um die Tannenbäumchen vor dem Restaurant Platzhirsch an der Aarauer Rathausgasse. Als das Lokal im vergangenen Juni seine Türen öffnete, lag es nahe, für eine dem Hirsch angemessene Begrünung zu sorgen. Die Pächterin, die Pop Art, entschied sich im Einklang mit dem Beizenkonzept für die «Picea abies», für die gemeine Fichte oder Rottanne.

«Im Wald statt in der Stadt»

Der Wirt hatte allerdings die Rechnung ohne den Amtsschimmel gemacht. Der aufmerksame Bürokratenblick aus dem Aarauer Rathaus traf den Gassenschmuck mit voller Wucht. «Ein Nadelbaum passt nicht in die Stadt, sondern in den Wald», begründet Stadtbaumeister Felix Fuchs die Vorbehalte. Im Reglement über die Nutzung des öffentlichen Raums in der Innenstadt, das in diesem Fall zur Anwendung kommt, steht bei den «Grundsätzen», dass sich «Mobiliar und Ausstattungen in das allgemeine Stadtbild einzufügen haben». Kaum konkreter liest sich der Paragraf 9 des gleichen Reglements unter dem Stichwort Begrünungen: «Töpfe und Pflanzen haben innerhalb eines Betriebes zu harmonieren und den örtlichen Gegebenheiten zu entsprechen».

Was heisst das aber konkret? Für Felix Fuchs ist und bleibt die Rottanne «ein für die Stadt fremdes Gewächs», auch wenn er einräumt, dass die Bestimmungen ein «gewisses Ermessen» durchaus zulassen. Obwohl die rechtlichen Grundlagen für einen «Räumungsbefehl» nicht gegeben waren, wanderte die Akte zur Stadtpolizei. Diese suchte mit dem Wirt August Burkart das Gespräch und stellte fest, dass «klare Abmachungen fehlen, die nachvollzieh- und umsetzbar sind». Fälle wie jener des «Platzhirschs» zeigten, dass das bisherige Vorgehen «unberechenbar» sei. Klüger wäre es, im Voraus auf Gewerbe, Detailhandel und Gastronomie zuzugehen, mit ihnen die Lage zu analysieren und anschliessend konkrete schriftliche und bildliche Abmachungen zu treffen.

Dialog statt Verbote

Stadtbaumeister Felix Fuchs stellt den Wirten und Ladengeschäften bei der Möblierung des öffentlichen Raums allgemein ein gutes Zeugnis aus. Polizeichef Daniel Ringier hingegen wehrt sich nach allen Erfahrungen «gegen schriftliche Entscheidungen mit Verbotsandrohungen», er bevorzugt den Dialog und die Kommunikation einer «klaren und für alle nachvollziehbare Linie».

Diese Auffassung vertritt auch August Burkart, sei doch für einen Wirt nach Studium des Reglements «nur schwer nachvollziehbar», was in Sachen Begrünung in der Innenstadt erlaubt oder verboten sei. Er will allerdings wegen der Tannenbäumchen, die Ende Oktober sowieso abgeräumt werden, «kein Gschtürm». Er werde bei einer Baumschule nach Alternativen suchen. Von der Stadt vorgeschlagen worden sind Fliederarten oder Rosen. Im Gegensatz zu den Tännchen würden diese, so vermutet Burkart, wohl schon die erste Nacht am Wochenende dank zerstörungsfreudigen Nachtschwärmern auf der Gasse kaum überleben.

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