«Gras ist unsere wichtigste Produktionsgrundlage», sagte auch Hansjörg Walter, Thurgauer SVP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Bauernverbands, vor drei Jahren. Angesichts dieser Aussage erstaunt, dass im letzten Jahr fast 170 000 Tonnen Heu in die Schweiz importiert wurden, wie neue Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigen.

Seit dem Jahr 2000 haben sich die Heuimporte sogar mehr als verdreifacht. Und nicht nur das: Die Schweiz importiert das Heu unter anderem aus Ländern wie Eritrea, Kirgistan und Kamerun. Der Hauptteil stammt zwar aus Deutschland, Frankreich und Italien, doch 22 Tonnen des im Jahr 2010 importierten Heus kamen aus dem ostafrikanischen Eritrea, das hierzulande eher wegen der von dort stammenden Asylbewerber bekannt ist. 2008 kamen 19 Tonnen Heu aus Kirgistan und 22 Tonnen sogar aus dem 10 000 Kilometer entfernten Peru.

Trockenheit und mehr Tiere

Trotz der gestiegenen Importe sind die Wiesenflächen der Schweiz nicht weniger geworden. Naturwiesen und Weiden haben zwar um zwei Prozent abgenommen, allerdings gab es 2010 zehn Prozent mehr Kunstwiesen als zehn Jahre zuvor. Dass dennoch mehr Heu importiert wird, liegt laut dem Bauernverband an mehreren Faktoren. «2010 und 2011 waren sehr trockene Jahre», erklärt Sprecherin Sandra Helfenstein. Zudem habe die weniger intensive Nutzung der Flächen vor allem im Berggebiet zu sinkender Heuproduktion geführt. Um kostengünstiger zu produzieren, verzichten ausserdem immer mehr Betriebe darauf, Flächen für die Heuproduktion zu nutzen und kaufen das Futter lieber ein. Und zu guter Letzt hätten die Rinder- und Pferdebestände zugenommen. «Dadurch steigt der Heubedarf, die Inlandproduktion reicht zur Versorgung nicht mehr aus», so Helfenstein.


Auch mehr Kraftfutterimporte

Die Umweltschutzorganisation Pro Natura kritisiert diese Entwicklung: «Die zunehmenden Heuimporte sind ganz klar die Folge des subventionierten Überbesatzes des Tierbestandes und des aus dem Ruder gelaufenen Milchmarktes», sagt Marcel Liner, Leiter Landwirtschaftspolitik. Er weist darauf hin, dass nicht nur immer mehr Heu aus dem Ausland eingeführt wird. Auch Kraftfutterimporte haben ihm zufolge in der letzten Dekade um 240 Prozent zugenommen - für Liner Ausdruck einer verfehlten Agrarpolitik.

Bauern wollen mehr Förderung

Mit der Agrarpolitik für die Jahre 2014 bis 2017, deren Botschaft der Bundesrat letzten Monat ans Parlament überwiesen hat, sollen nun Anreize geschaffen werden, damit sich die Landwirtschaft mehr am Markt orientiert. Produktionsüberschüsse, etwa in der Milchwirtschaft, sollen abgebaut werden. Gleichzeitig will der Bundesrat jedoch auf Drängen bäuerlicher Kreise die Ernährungssouveränität ins Landwirtschaftsgesetz schreiben. Das heisst: Die Schweiz soll sich unabhängig vom Ausland ernähren können. Angestrebt wird ein Selbstversorgungsgrad von 60 Prozent. Folgerichtig verlangt der Bauernverband, dass der Bund die Produktion stärker fördert. Für Liner ein unsinniges Anliegen: «Wie die Heuimporte zeigen, bedeutet mehr Produktion mehr Abhängigkeit vom Ausland.»