Impfung
Jetzt kommt der Booster doch schon nach vier Monaten – so erklärt der Impfchef die Kehrtwende

Noch vor kurzem verteidigte Impfchef Christoph Berger die Wartefrist von sechs Monaten zwischen zweiter Impfung und Auffrischimpfung. Wer sich auch nur wenige Tage zu früh boostern lassen wollte, wurde teils abgewiesen. Nun folgt die Kehrtwende.

Maja Briner Jetzt kommentieren
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Impfchef Christoph Berger sagt, wegen Omikron brauche es jetzt «riesige Kapazitäten beim Boostern».

Impfchef Christoph Berger sagt, wegen Omikron brauche es jetzt «riesige Kapazitäten beim Boostern».

Anthony Anex / KEYSTONE

Überraschend wird nun auch die Wartefrist für den Booster auf vier Monate gesenkt. Vor wenigen Tagen hatte der Christoph Berger, der Präsident der Impfkommission Ekif, die Wartefrist von sechs Monaten verteidigt - obwohl andere Länder diesen Schritt bereits gemacht hatten. Am Freitag kündigte Bundesrat Alain Berset an, dass die Ekif und das Bundesamt für Gesundheit ihre Empfehlung kommende Woche ändern werden.

Weshalb nun dieses Umdenken? «Wegen Omikron», sagt Berger. «Die Entwicklung in England und Dänemark zeigt, dass sich Omikron äusserst schnell ausbreitet.» Die Verdoppelungszeit betrage lediglich zwei bis drei Tage. «Das ist wie eine Lawine.»

Anders als Südafrika seien England und Dänemark von der Bevölkerungsstruktur her mit der Schweiz vergleichbar. Das Boostern soll dazu beitragen, diese rasche Ausbreitung und die damit verbundenden Hospitalisationen abzubremsen. «Labordaten zeigen, dass Menschen kurz nach dem Boostern viele Antikörper haben, also gut geschützt sind. Um die Gesundheitsversorgung aufrechtzuerhalten, müssen nun möglichst viele Personen geboostert werden.» Berger sagt:

«Es braucht riesige Kapazitäten beim Boostern.»

Boostern alleine werde nicht reichen, stellt Berger klar, es brauche auch härtere Massnahmen. Aber: Ohne Boostern wären noch mehr und einschneidendere Massnahmen nötig.

Am wichtigsten wäre es laut Berger, dass sich die über 65-Jährigen nun boostern lassen sowie jene, deren Impfung schon am längsten zurückliegt. Er sagt aber auch: «Wer sich schützen will, soll das tun können, wenn es freie Plätze gibt.» Die offizielle Empfehlung soll kommende Woche kommuniziert werden.

Kantone erwarten Ansturm auf Impfzentren

Die Kantone gehen aktuell davon aus, dass die Empfehlung eine Priorisierung nach Alter vorsehen wird, wie es bei der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) heisst. Und sie rechnen mit einem Ansturm auf die Impfzentren: Die Verkürzung des Intervalls auf vier Monate werde «bei den Kantonen eine sehr starke Nachfragesteigerung auslösen, teilweise kann dies gegenüber heute eine Verdoppelung der Zahl der zum Booster berechtigten Personen bedeuten», erklärt GDK-Sprecher Tobias Bär. «Zur Bewältigung der sprunghaft steigenden Nachfrage können Priorisierungen bei den Anmeldungen nötig werden.»

In anderen Worten: Es ist möglich, dass manche Kantone zunächst nur gewisse Altersgruppen zulassen werden.

Die GDK betont, die Kantone hätten die Kapazitäten stark ausgebaut. Derzeit würden wieder mehr als 80’000 Impfungen pro Tag durchgeführt werden. In der Hochphase im vergangenen Sommer waren es etwas über 100’000 Impfdosen pro Tag. «Wir hören aus den Kantonen, dass es freie Termine gibt, die Kapazitäten sind also nicht ganz ausgeschöpft», sagt Bär. Das dürfte sich nun mit der kürzeren Wartefrist ändern. Bei einer Wartefrist von sechs Monaten hätten sich bis Ende Jahr schweizweit 3,3 Millionen Menschen boostern lassen können; bei einer Wartefrist von vier Monaten sind es rund 4,7 Millionen.

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