Grippe
Impfkampagne setzt Pflegende unter Druck

Rechtzeitig zum Kälteeinbruch lanciert das Bundesamt für Gesundheit eine neue Kampagne zur Grippe-Impfung. Im Fokus der neuen Kampagne stehen die Pflegenden – sie können Patienten anstecken.

Andrea Marthaler
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Keystone

Heute informieren die Verantwortlichen die Öffentlichkeit darüber. Recherchen der az zeigen: Dabei steht das Pflegepersonal in Spitälern, Pflege- und Altersheimen im Fokus. Diese spielten «eine Schlüsselrolle bei der Grippeprävention», heisst es in der Infobroschüre, welche das Bundesamt heute vorstellt.

Nationaler Grippeimpftag am 5. November

Von Mitte Oktober bis November sind die Hausärzte in der Schweiz ausgerüstet, um Patienten gegen die Grippe zu impfen. Zusätzlich bietet der Nationale Grippeimpftag am 5. November die Möglichkeit, sich in vielen Arztpraxen ohne Anmeldung zu einem reduzierten Pauschalpreis gegen die Grippe impfen zu lassen.Eine Liste der teilnehmenden Ärzte gibt es auf der Homepage www.kollegium.ch. Da es zwei bis drei Wochen dauert, bis der Impfstoff aktiv ist, lohnt sich eine frühzeitige Impfung. Diese kostet ca. 25 Franken. Für Risikopatienten sowie Personen über 65 Jahren übernimmt die Grundversicherung die Kosten. Für alle anderen ist sie keine Pflichtleistung, wird aber je nach Krankenkasse dennoch bezahlt. (ama)

«In diesem Jahr ist die Zielgruppe insbesondere das Pflegepersonal», bestätigt Marc Müller, Präsident des Verbands Hausärzte Schweiz. Pflegerinnen und Pfleger könnten die eigentliche Risikogruppe anstecken – Personen mit erhöhter Infektionsgefahr und Menschen ab 65 Jahren. Eine Impfung sei deswegen sinnvoll.

«Personal in Spitälern, Altersheimen und Pflegeheimen lässt sich jedoch miserabel impfen», ärgert sich Müller. Sie seien eine renitente Bevölkerungsgruppe. «Dabei geht es um ihre Schützlinge.» Auch wenn die Pflegenden selber nicht erkranken, könnten sie die Grippe übertragen. «Das ist verantwortungslos», so Müller.

Zu diesem Vorwurf wollte Barbara Gassmann, Vizepräsidentin des Berufsverbands des Pflegepersonals, gestern keine Stellung beziehen. Bereits bei der Schweinegrippe vor einem Jahr war ein entsprechender Diskurs entbrannt. Gesundheitsminister Didier Burkhalter forderte damals gar einen Impfzwang für das Pflegepersonal.

Widerstandskraft wird gestärkt

Ein häufiges Argument von Impfgegnern ist, dass diese gegen die Grippe wenig nützt, weil sich das Virus laufend ändert. Letzteres bestätigt auch Müller: «Das Grippevirus verändert sich stark von Jahr zu Jahr.» Wirkungslos ist der Impfstoff deswegen aber nicht. Er wird ebenfalls jährlich neu zusammengesetzt. In diesem Jahr enthält er unter anderem den Wirkstoff gegen die Schweinegrippe. Müller machte die Erfahrung, dass der Wirkungsgrad einer Impfung oft fünf bis sechs Jahre gut ist.

«Zwischendurch ändert sich plötzlich der Typ, wie zum Beispiel bei der Schweinegrippe», so Müller. Leute, die sich jährlich impfen lassen, entwickeln jedoch mehr Widerstandskraft. Ihr Abwehrsystem wird besser, der Krankheitsverlauf milder. Bei der Schweinegrippe zeigte sich dies klar: Ältere Personen waren weniger betroffen – vielleicht deshalb, weil vor längerer Zeit schon einmal ein ähnliches Virus grassierte.